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Forschungsgrundsätze der OTH Amberg-Weiden

Gute wissenschaftliche Praxis an der
Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden

Im Rahmen Ihrer gesetzlichen Verantwortung trägt unsere Hochschule die Verantwortung für die Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis in Forschung und Lehre. Deshalb hat die OTH Amberg-Weiden Richtlinien erlassen, die auf den Vorgaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft basieren. Diese Richtlinien geben bei aller Unterschiedlichkeit der Forschungsdisziplinen inhaltliche Orientierungspunkte für korrektes wissenschaftliches Verhalten.

Richtlinien der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden
zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis

vom 24. Mai 2017

Vorbemerkung:

Die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden trägt im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags Verantwortung für die Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis in Forschung und Lehre. Der Wahrung dieser Verantwortung dienen die nachfolgenden Richtlinien, die auf den Vorgaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom Januar 1998 basieren.

Die Richtlinien sollen inhaltliche Orientierungspunkte für korrektes wissenschaftliches Verhalten geben; sie beanspruchen nicht, das ausdifferenzierte Feld aller Forschungsdisziplinen zu umfassen, sondern wollen lediglich für einige sensible Bereiche allgemein geteilte Überzeugungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zum Ausdruck bringen.

Diese Richtlinien regeln ferner das Verfahren bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten.

ERSTER ABSCHNITT:
Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis

§ 1 Allgemeine Grundsätze

  1. Wissenschaftliche Untersuchungen sind nach dem jeweiligen Stand der Forschung lege artis durchzuführen.
  2. Um die Nachvollziehbarkeit und gegebenenfalls Wiederholbarkeit von Untersuchungen sicherzustellen, ist eine sorgfältige Dokumentation der einzelnen Methoden, Verfahren und Befunde erforderlich.
  3. Die einer veröffentlichten Untersuchung zugrunde liegenden Primärdaten und Versuchsprotokolle sollen auf haltbaren und gesicherten Trägern für 10 Jahre in der Einrichtung, in der sie erhoben beziehungsweise angefertigt worden sind, aufbewahrt werden.
  4. Bei der wissenschaftlich erwünschten Auseinandersetzung mit anderen Auffassungen haben sich Forscherinnen und Forscher an die Standards einer integren Argumentation zu halten, insbesondere sollte jederzeit die Wiedergabe von Befunden von deren Interpretation klar unterscheidbar sein.

§ 2 Verantwortungsvolle Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses

  1. Die im Rahmen von Forschungsprojekten eingesetzten Promovenden, Graduierten und Studierenden haben einen Anspruch auf regelmäßige wissenschaftliche Beratung und Unterstützung durch Betreuerinnen bzw. Betreuer oder Leiterinnen bzw. Leiter von Arbeitsgruppen. Sie sind ihrerseits zu verantwortungsvoller Arbeit und zur Kollegialität verpflichtet. Der jeweilige Anteil der am wissenschaftlichen Gesamtvorhaben Beteiligten muss dokumentiert sein.
  2. Die Fakultäten haben sicherzustellen, dass die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis fester Bestandteil der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind.

§ 3 Leitungsverantwortung in Arbeitsgruppen

  1. Unbeschadet dienstrechtlicher und allgemeiner rechtlicher Bestimmungen trägt die Leiterin bzw. der Leiter einer Arbeitsgruppe die Verantwortung für die Einhaltung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis.
  2. Die Weitergabe von Methoden und Ergebnissen, die in Arbeitsgruppen eingesetzt beziehungsweise erzielt worden sind, ist nur mit Zustimmung der Betroffenen und mit Genehmigung der Arbeitsgruppenleitung und der Trägerin bzw. des Trägers der Gesamtverantwortung zulässig.

§ 4 Fairness bei wissenschaftlichen Publikationen

  1. Forschungsergebnisse und Ideen anderer Wissenschaftler sind ebenso wie relevante Publikationen anderer Autoren in gebotener Weise zu zitieren. Die Fragmentierung eigener Untersuchungen mit dem Ziel, die Zahl scheinbar eigenständiger Veröffentlichungen zu erhöhen, ist zu unterlassen.
  2. Sind an der Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit mehrere Personen beteiligt, so soll als Mitautorin bzw. Mitautor genannt werden, wer wesentlich zur Fragestellung, zum Forschungsplan, zur Durchführung der Forschungsarbeiten oder zur Auswertung und Deutung der Ergebnisse beigetragen hat. Eine Ehrenautorschaft ist ausgeschlossen.
  3. Die Freigabe eines Manuskripts zur Veröffentlichung soll von allen Mitautorinnen bzw. Mitautoren bestätigt und der Anteil der einzelnen Personen oder Arbeitsgruppen dokumentiert werden.
  4. Werden im Manuskript unveröffentlichte Forschungsleistungen anderer Personen zitiert oder verwendet, so ist, vorbehaltlich anderer anerkannter fachspezifischer Übung, deren Einverständnis einzuholen.
  5. Durch das Einverständnis mit der Nennung als Mitautorin bzw. Mitautor wird die Mitverantwortung dafür übernommen, dass die Publikation anerkannten wissenschaftlichen Standards entspricht.
  6. Finden sich Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler ohne ihr Einverständnis in einer Veröffentlichung als (Mit)Autorinnen oder (Mit)Autoren genannt, so können sie dies nachträglich genehmigen; sehen sie sich dazu außerstande, so müssen sie sich dagegen ausdrücklich verwahren und dies an geeigneter Stelle zum Ausdruck bringen.

§ 5 Verantwortungsvolle Begutachtung von Forschungsprojekten und von Wissenschaftlern

  1. Informationen oder Ideen, die einer Gutachterin oder einem Gutachter durch ihre bzw. seine Tätigkeit von anderen zur Kenntnis gelangt sind, müssen vertraulich behandelt werden und dürfen nicht dazu verwendet werden, sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die Gutachterin bzw. der Gutachter sollte Interessenkonflikte offen legen, die sich aus einer Konkurrenzsituation, Zusammenarbeit oder einer sonstigen Beziehung zu Autorinnen/Autoren einer eingereichten Veröffentlichung, zu Projektantragstellerinnen/Projektantragstellern oder zu Bewerberinnen bzw. Bewerbern auf wissenschaftliche Stellen ergeben.
  2. Die Bewertung von Publikationen nach ihrem „Impact Factor“ kann eine inhaltliche Bewertung ergänzen, darf sie jedoch nicht ersetzen. Bei der vergleichenden Bewertung von Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern ist in jedem Fall eine inhaltliche Qualitätsermittlung vorzunehmen.

ZWEITER ABSCHNITT:
Verfahren bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten

§ 6 Allgemeines

  1. Die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden bestellt eine in Fragen der Organisation und Durchführung der Forschung erfahrene Hochschullehrerin (Ombudsfrau) bzw. einen in Fragen der Organisation und Durchführung der Forschung erfahrenen Hochschullehrer (Ombudsmann) als Ansprechpartnerin bzw. Ansprechpartner für alle Angehörigen der Hochschule, die Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens vorzubringen haben. Die Ombudsfrau/der Ombudsmann berät als Vertrauensperson diejenigen, die ihn über ein vermutetes wissenschaftliches Fehlverhalten informieren, und greift von sich aus einschlägige Hinweise auf, von denen sie/er (ggf. über Dritte) Kenntnis erhält. Die Ombudsfrau/der Ombudsmann prüft die Vorwürfe unter Plausibilitätsgesichtspunkten auf Konkretheit und Bedeutung, auf mögliche Motive und im Hinblick auf Möglichkeiten der Ausräumung der Vorwürfe. Die Ombudsfrau bzw. der Ombudsmann sowie ihr/sein Stellvertreter werden von der Präsidentin/dem Präsidenten vorgeschlagen und vom Senat für die Dauer von 5 Jahren bestellt; Wiederbestellung ist zulässig.
  2. Die Funktion der Ombudsfrau bzw. des Ombudsmannes und ihres bzw. seines Stellvertreters sind unvereinbar mit dem Amt der Vizepräsidentin/des Vizepräsidenten und der Dekanin/des Dekans; sie erlöschen mit der Bestellung zur Vizepräsidentin/zum Vizepräsidenten oder dem Amtsbeginn als Dekanin/Dekan. Für die Ombudsfrau bzw. den Ombudsmann und seine Stellvertreterin bzw. seinen Stellvertreter gelten die Vorschriften über den Ausschluss wegen persönlicher Beteiligung (Art. 20 und 21 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes).
  3. Darüber hinaus bestellt die Hochschule eine „Ständige Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“. Sie besteht aus drei in der Forschung erfahrenen Mitgliedern der eigenen Hochschule, die auf Vorschlag der Präsidentin bzw. des Präsidenten vom Senat für die Dauer von drei Jahren bestellt werden; Wiederbestellung ist zulässig.
  4. Die Kommission bestimmt ein Mitglied zur bzw. zum Vorsitzenden. Die Kommission wird auf Antrag der Ombudsfrau bzw. des Ombudsmannes oder eines ihrer Mitglieder aktiv. Die Ombudsfrau bzw. der Ombudsmann und ihr/sein Stellvertreter werden als Gast hinzugezogen.

§ 7 Vorprüfung

  1. Bei konkreten Verdachtsmomenten für wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne des Verhaltenskataloges ist unverzüglich die Ombudsfrau/der Ombudsmann der Hochschule, ggf. auch ein Mitglied der in § 6 Abs. 3 genannten Kommission, zu informieren. Die Information soll schriftlich erfolgen; bei mündlicher Information ist von der Ombudsfrau bzw. dem Ombudsmann ein schriftlicher Vermerk über den Verdacht und die diesen begründenden Belege aufzunehmen.
  2. Die Ombudsfrau/der Ombudsmann übermittelt Anschuldigungen wissenschaftlichen Fehlverhaltens unter Wahrung der Vertraulichkeit zum Schutz der Informantin/des Informanten und der/des Betroffenen der vom Senat bestellten Kommission, die die Angelegenheit untersucht.
  3. Der/dem vom Verdacht des Fehlverhaltens Betroffenen wird unverzüglich von der Kommission unter Nennung der belastenden Tatsachen und Beweismittel Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben; Absatz 1 Satz 2 gilt entsprechend. Die Frist für die Stellungnahme beträgt zwei Wochen. Der Name der Informantin/des Informanten wird ohne deren/dessen Einverständnis in dieser Phase der/dem Betroffenen nicht offenbart.
  4. Nach Eingang der Stellungnahme der/des Betroffenen beziehungsweise nach Verstreichen der Frist trifft die Kommission innerhalb von zwei Wochen eine Entscheidung darüber, ob das Vorprüfungsverfahren – unter Mitteilung der Gründe an die/den Betroffenen und die Informantin/den Informanten – zu beenden ist, weil sich der Verdacht nicht hinreichend bestätigt beziehungsweise ein vermeintliches Fehlverhalten sich vollständig aufgeklärt hat, oder ob eine Überleitung in das förmliche Untersuchungsverfahren zu erfolgen hat. Die Präsidentin/der Präsident ist zu informieren; im Falle der Beendigung des Verfahrens, die schriftlich zu vermerken ist, kann hiervon abgesehen werden.
  5. Wenn die Informantin/der Informant mit der Einstellung des Prüfungsverfahrens nicht einverstanden ist, hat sie/er innerhalb von zwei Wochen das Recht auf Vorsprache in der Kommission, die ihre Entscheidung noch einmal überprüft. Die Kommission entscheidet abschließend, ob ein förmliches Untersuchungsverfahren zu erfolgen hat.

§ 8 Förmliche Untersuchung

  1. Im förmlichen Untersuchungsverfahren kann die Kommission nach eigenem Ermessen Fachgutachterinnen/Fachgutachter aus dem Gebiet eines zu beurteilenden wissenschaftlichen Sachverhalts sowie Expertinnen/Experten für den Umgang mit solchen Fällen als weitere Mitglieder mit beratender Stimme hinzuziehen.
  2. Die Kommission berät in nichtöffentlicher mündlicher Verhandlung. Sie prüft in freier Beweiswürdigung, ob wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt. Der/dem vom Verdacht des Fehlverhaltens Betroffenen ist in geeigneter Weise Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Sie/er ist auf seinen Wunsch mündlich anzuhören; dazu kann sie/er eine Person ihres/seines Vertrauens als Beistand hinzuziehen. Dies gilt auch für sonstige anzuhörende Personen.
  3. Den Namen der Informantin/des Informanten offen zu legen, kann erforderlich werden, wenn die/der Betroffene sich andernfalls nicht sachgerecht verteidigen kann, weil beispielsweise die Glaubwürdigkeit und Motive der Informantin/des Informanten im Hinblick auf den Vorwurf möglichen Fehlverhaltens zu prüfen sind.
  4. Hält die Kommission ein Fehlverhalten für erwiesen, legt sie das Ergebnis ihrer Untersuchung der Präsidentin/dem Präsidenten mit einem Vorschlag zum weiteren Verfahren, auch in Bezug auf die Wahrung der Rechte anderer, zur Entscheidung und weiteren Veranlassung vor. Andernfalls wird das Verfahren eingestellt.
  5. Die wesentlichen Gründe, die zur Einstellung des Verfahrens oder zur Weiterleitung an die Präsidentin/den Präsidenten geführt haben, sind der/dem Betroffenen und auf ihr/sein Verlangen auch der Informantin/dem Informanten unverzüglich schriftlich mitzuteilen.
  6. Ein internes Beschwerdeverfahren gegen die Entscheidung der Kommission ist nicht gegeben.
  7. Gegebenenfalls werden Dritte (wie z.B. Drittmittelgeber) über den Ausgang des Verfahrens informiert.

§ 9 Katalog von Verhaltensweisen, die als Fehlverhalten anzusehen sind

  1. Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor, wenn in einem wissenschaftserheblichen Zusammenhang bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder sonst wie deren Forschungstätigkeit beeinträchtigt wird.
    Als Fehlverhalten kommen insbesondere in Betracht:
    1. Falschangaben
      a) das Erfinden von Daten;
      b) das Verfälschen von Daten, z.B.
          aa) durch Auswählen und Zurückweisen unerwünschter Ergebnisse, ohne diese offen zu legen,
          bb) durch Manipulation einer Darstellung oder Abbildung;
      c) unrichtige Angaben in einem Bewerbungsschreiben oder einem Förderantrag (einschließlich Falschangaben zum Publikationsorgan und zu in Druck befindlichen Veröffentlichungen);
    2. Verletzung geistigen Eigentums
      a) in Bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberrechtlich geschütztes Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze
          aa) die unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorenschaft (Plagiat),
          bb) die Ausbeutung von Forschungsansätzen und Ideen, insbesondere als Gutachter (Ideendiebstahl),
          cc) die Anmaßung oder unbegründete Annahme wissenschaftlicher Autoren- oder Mitautorenschaft,
          dd) die Verfälschung des Inhalts oder
          ee) die unbefugte Veröffentlichung und das unbefugte Zugänglichmachen gegenüber Dritten, solange das Werk, die Erkenntnis, die Hypothese, die Lehre oder der Forschungsansatz noch nicht veröffentlich ist;
      b) die Inanspruchnahme der (Mit)-Autorenschaft anderer ohne deren Einverständnis;
    3. Beeinträchtigung der Forschungstätigkeit anderer
      die Sabotage von Forschungstätigkeit (einschließlich der Beschädigung, Zerstörung oder Manipulation von Versuchsanordnungen, Geräten, Unterlagen, Hardware, Software, Chemikalien oder sonstiger Sachen, die andere zur Durchführung von Experimenten benötigen). 
  2. Eine Mitverantwortung kann sich unter anderem ergeben aus: 
    1. Aktiver Beteiligung am Fehlverhalten anderer;
    2. Mitwissen um Fälschungen durch andere;
    3. Mitautorenschaft an fälschungsbehafteten Veröffentlichungen; 
    4. grober Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Letztentscheidend sind jeweils die Umstände des Einzelfalles. 

 § 10 Katalog möglicher Sanktionen beziehungsweise Konsequenzen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten

  1. Der folgende Katalog möglicher Sanktionen beziehungsweise Konsequenzen auf wissenschaftliches Fehlverhalten ist – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – als erste Orientierungshilfe zu verstehen. Da jeder Fall anders gelagert sein dürfte und auch die Schwere des festgestellten wissenschaftlichen Fehlverhaltens eine Rolle spielt, gibt es keine einheitliche Richtlinie adäquater Reaktionen; diese richten sich vielmehr nach den Umständen des Einzelfalles. Die Präsidentin/der Präsident steht für die Beratung zur Verfügung.

Dienst- und arbeitsrechtliche Konsequenzen Da bei Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in der Hochschule ganz überwiegend damit zu rechnen ist, dass die/der Betroffene zugleich Beschäftigte/Beschäftigter der Hochschule ist, dürften zunächst stets dienst- und arbeitsrechtliche Konsequenzen vorrangig zu prüfen sein.

  1. bei Beamten
    a) disziplinarrechtliche Maßnahmen
    b) Entlassung auf Antrag
  2. bei Angestellten
    a) Abmahnung
    b) Ordentliche Kündigung
    c) Außerordentliche Kündigung
    d) Vertragsauflösung
  3. Akademische Konsequenzen
    Akademische Konsequenzen in Form des Entzugs von akademischen Graden können von der Hochschule selbst gezogen werden. In Betracht kommen insbesondere Widerruf oder Rücknahme der Lehrbefugnis.
  4. Zivilrechtliche Konsequenzen
    Folgende zivilrechtliche Konsequenzen können in Betracht zu ziehen sein:
    1. Erteilung eines Hausverbots;
    2. Herausgabeansprüche gegen die Betroffene/den Betroffenen, etwa auf Herausgabe von entwendetem wissenschaftlichen Material oder dergleichen;
    3. Beseitigungs- und Unterlassungsansprüche auf Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, Patentrecht oder Wettbewerbsrecht;
    4. Rückforderungsansprüche, etwa von Stipendien, Drittmitteln oder dergleichen;
    5. Schadensersatzansprüche durch die Hochschule oder durch Dritte bei Personenschäden, Sachschäden oder dergleichen.
  5. Strafrechtliche Konsequenzen
    Strafrechtliche Konsequenzen kommen immer dann in Betracht, wenn der Verdacht besteht, dass wissenschaftliches Fehlverhalten zugleich einen Tatbestand des Strafgesetzbuches (StGB) beziehungsweise sonstiger Strafnormen oder Ordnungswidrigkeiten erfüllt. Die Einschaltung der Ermittlungsbehörden ist grundsätzlich mit der Präsidentin/ dem Präsidenten abzustimmen.
  6. Widerruf von wissenschaftlichen Publikationen Wissenschaftliche Publikationen, die aufgrund wissenschaftlichen Fehlverhaltens fehlerbehaftet sind, sind zurückzuziehen, soweit sie noch unveröffentlicht sind, und richtig zu stellen, soweit sie veröffentlicht sind (Widerruf); Kooperationspartner sind – soweit notwendig – in geeigneter Form zu informieren. Grundsätzlich sind dazu die Autorin/der Autor und beteiligte Herausgeber verpflichtet; werden diese nicht tätig, leitet die Hochschule die ihr möglichen geeigneten Maßnahmen ein. Bei Fällen gravierenden wissenschaftlichen Fehlverhaltens unterrichtet die Hochschule andere betroffene Forschungseinrichtungen beziehungsweise Wissenschaftsorganisationen. In begründeten Fällen kann auch die Informierung von Standesorganisationen angebracht sein. Die Hochschule kann zum Schutze Dritter, zur Wahrung des Vertrauens in die wissenschaftliche Redlichkeit, zur Wiederherstellung ihres wissenschaftlichen Rufes, zur Verhinderung von Folgeschäden sowie im allgemeinen öffentlichen Interesse verpflichtet sein, betroffene Dritte und die Öffentlichkeit zu informieren.

DRITTER ABSCHNITT:
Inkrafttreten

§ 11 Inkrafttreten

Diese Richtlinien treten am Tage nach ihrer Ausfertigung in Kraft. Gleichzeitig treten die bisherigen vom Senat der Hochschule in seiner Sitzung am 07. Juli 2004 beschlossenen Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis außer Kraft.

Beschlossen vom Senat am 24. Mai 2017.

Amberg, den 24. Mai 2017

Prof. Dr. Andrea Klug
Präsidentin

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