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Arbeitsmarktinstitutionen und Arbeitsmarktentwicklung (Fakultät für Betriebswirtschaft)

Professor Dr. Horst Rottmann vom Fachbereich Betriebswirtschaftslehre erforscht im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung mit dem Institut für Zeitgeschichte (IfZ) für das Forschungsprojekt „Die Krise der Arbeitsgesellschaft 1973 bis 1989“ die Auswirkungen der Arbeitsmarktinstitutionen auf die Entwicklung der Arbeitsmärkte in einem internationalen Vergleich seit 1960. Das Projekt wird von der Leibniz Gemeinschaft finanziert.

Ziele des Projekts

Die zeitgeschichtliche Forschung wendet sich derzeit verstärkt der Phase verlangsamten Wirtschaftswachstums und der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland und anderen entwickelten Volkswirtschaften seit Mitte der 70er Jahre zu. Der Schwerpunkt der Arbeit der Historiker (IfZ) liegt dabei auf der vergleichenden Analyse der öffentlichen Wahrnehmung der zunehmenden Arbeitslosigkeit in Deutschland, Italien und Großbritannien sowie der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland und Frankreich. Des Weiteren analysiert das Ifz auch die sich daran anknüpfenden politischen Diskussionen in diesen Ländern. Professor Rottmann widmet sich gemeinsam mit Professor Gebhard Flaig von der Universität München im Teilprojekt „Arbeitsmarktentwicklung und Arbeitsmarktinstitutionen“ vor allem folgenden Schwerpunkten:

  1. Bestandsaufnahme der Arbeitsmarktentwicklung im EU- und OECD-Vergleich für den Zeitraum von etwa 1960 bis zur Gegenwart
  2. Gemeinsamkeiten wie auch interessante Unterschiede bei der institutionellen Ausgestaltung und Regulierung der Arbeitsmärkte zwischen den betrachteten Ländern
  3. Ursachen für die langfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Methodische Vorgehensweise

Horst Rottmann und Gebhard Flaig bauen eine eigene Datenbasis über die internationalen Entwicklungen der Arbeitsmarktinstitutionen und der Arbeitslosigkeit auf. Für die Arbeitsmarktinstitutionen werden international vergleichbare Indikatoren für den Kündigungsschutz, den gewerkschaftlichen Organisationsgrad, die Modalitäten der Lohnfindung, die Höhe und Dauer der Arbeitslosenunterstützung sowie Steuer- und Abgabesätze herangezogen. Auf dieser Grundlage werden eigene ökonometrische Untersuchungen durchgeführt. Das Ziel der beiden Forscher ist abschätzen zu können, welche Auswirkungen Institutionen und deren Veränderungen durch Reformen auf die langfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit haben.

Methodische Erläuterungen

Internationale Vergleichbarkeit der Arbeitslosenquoten

Aufgrund unterschiedlicher Definitionen und sozialpolitischer Regelungen sind die durch nationale Behörden erhobenen Arbeitslosenquoten international nicht vergleichbar. Deshalb verwenden wir die international standardisierte OECD-Arbeitslosenquote, die auf Haushaltsbefragungen beruht. Generell gilt dabei jeder als arbeitslos (erwerbslos), der nicht arbeitet, aber aktiv nach einer Arbeitsstelle sucht. Die nationalen Definitionen weichen davon im Allgemeinen mehr oder weniger ab. Nach deutscher Definition ist beispielsweise arbeitslos, wer nicht oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeitet, sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet hat und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden sucht. In den meisten Ländern ist die standardisierte Arbeitslosenquote höher als die national definierte, in Deutschland etwas niedriger.

Trendberechnung der Arbeitslosenquoten

Die beobachtete Entwicklung der Arbeitslosenquote folgt zum einen einer langfristigen Trendentwicklung, zum anderen weist sie aber auch starke konjunkturelle Schwankungen auf. Um die Trendkomponente zu extrahieren (und die zyklische Komponente zu unterdrücken) verwenden wir den sogenannten Hodrick-Prescott-Filter (HP-Filter). Der HP-Filter „wählt“ die Trendkomponente einer Zeitreihe so, dass – grob gesprochen – einerseits die Trendkomponente und die ursprüngliche Zeitreihe nicht zu weit voneinander abweichen und andererseits die Trendkomponente relativ glatt verläuft. Dabei muss ein Parameter λ(Lambda) vorgegeben werden, der die „Glattheit“ der extrahierten Trendkomponente beeinflusst. Je größer der Parameterwert gewählt wird, desto stärker wird die Trendkomponente geglättet und desto mehr weicht die ursprüngliche Zeitreihe von dem extrahierten Trend ab. In den Abbildungen verwenden wir, wie bei Jahresdaten in der Literatur üblich, für λ einen Wert von 100, der zumindest nach visueller Inspektion alle zyklischen Elemente eliminiert und plausible Ergebnisse für die Trendkomponente liefert.

Informationsquellen und Downloadbereich

Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen (OECD; ILO; andere Forschergruppen) werden auf Vergleichbarkeit geprüft, gegebenenfalls angepasst und zu längeren Datenreihen verbunden.

Download- Bereich

Nach Fertigstellung des Datensatzes wird dieser in Zukunft komplett hier zum Herunterladen bereit stehen.

Finanzierung

Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.

Publikationen zum Projekt

  • Flaig, G. und H. Rottmann (2009), Labour Market Institutions and the Employment Intensity of Output Growth, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik (Journal of Economics and Statistics), Band 229 (1), S.22-35, 2009
  • Flaig, G. und H. Rottmann (2009), Arbeitsmarktinstitutionen und die langfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit - Empirische Ergebnisse für 19 OECD-Länder, Weidener Diskussionspapiere No.17. Download
  • Flaig, G. und H. Rottmann (2007), Labour Market Institutions and the Employment Intensity of Output Growth: An International Comparison, CESifo Working Paper Nr. 2175 Download
  • Arbeitsmarktinstitutionen und die langfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Empirische Ergebnisse für 19 OECD-Staaten, In: (Hrsg.) T. Raithel, T. Schlemmer, Die Rückkehr der Arbeitslosigkeit - Die Bundesrepublik Deutschland im europäischen Kontext 1973 bis 1989, S. 37-53, R. Oldenbourg Verlag, München 2009 (zusammen mit G. Flaig)
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