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Einsatz von Robotern in der Medizin: Unterstützung und Ergänzung statt Ersatz

| Digitales InnovationsLabor, Hochschulkommunikation

Robotergestützte orthopädische Chirurgie, Massageroboter zur Rehabilitation oder Reinigungs- und Transportroboter – die Einsatzmöglichkeiten von Robotern in der Medizin sind breit gefächert. Da scheint die Frage „schlägt Dr. Robot schon den Arzt“ durchaus gerechtfertigt und so ging das Neumarkter HochschulForum eben dieser gemeinsam mit drei Gesundheitsexperten nach.

Dr. Michael Koschnike, Geschäftsführer des Institute for Healthcare Robotics and Automation (IFOHRA), gab in einem Impulsvortrag zunächst einen Einblick in die heute möglichen Einsatzbereiche von Robotern, aber auch in die Grenzen. So betonte er gleich zu Beginn, dass Roboter das medizinische Personal zwar unterstützen und in operative Abläufe integriert werden können, dieses aber in absehbarer Zeit nicht ersetzen könnten. Besonders im OP zeige sich: „Den Roboter ausschließlich ohne einen Arzt im klinischen Umfeld am Menschen sehen wir mit den Lösungen die es heute gibt, nicht.“ Dennoch lasse sich zusammenfassend sagen, dass die assistenzbasierte Durchführung von relevanten medizinischen Prozeduren am Menschen stärker in den Fokus rückt und hier auch einen Mehrwert, wie die Entlastung des Chirurgs biete.

Rege Podiumsdiskussion

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion wurden die verschiedenen Aspekte des Themas betrachtet, wie die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen oder ökonomische Gesichtspunkte, die den Einsatz von Robotik sowohl fördern als auch bremsen können. Prof. Dr. rer. pol. Steffen Hamm, Professor für Gesundheitswirtschaft an der OTH Amberg-Weiden, meinte zur grundsätzlichen Diskussion, ob Ökonomie und Medizin ein Widerspruch seien, dass dies sich dies beim speziellen Anwendungsfall Medizin, Robotik und Ökonomie eigentlich gut ergänze. Dr. Koschnike betonte dabei, dass es nicht um die Frage „Roboter oder Mensch“ gehe, sondern ganz im Gegenteil um eine Ergänzung. So können Roboter besonders bei einfachen Aufgaben wie Transportdiensten oder bei Aufgaben mit vielen Wiederholungen eingesetzt werden und so Personal entlasten oder darüber hinaus Personalmangel abfedern. Dazu merkte Prof. Dr. Hamm an, dass insbesondere der Laborbereich zu denjenigen mit dem größten Potential gehöre, da aufgrund des vorherrschenden Personalmangels, zum Beispiel an medizinisch-technischem LaboratoriumsassistentInnen (MTLA), das nachgefragte Volumen künftig wahrscheinlich erst durch den Einsatz von Robotik gedeckt werden könne.

Vorteile für Patienten

Prof. Dr. med. habil. Stefan Sesselmann, Professor für Gesundheitsversorgung an der OTH Amberg-Weiden, verdeutlichte wiederum die Vorteile für Patienten, zum Beispiel durch Transportroboter, die beim Bettentransport nirgends anstoßen oder sich aufeinander abstimmen könnten, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden. Hier kommt auch der Einsatz von 5G-Technologie ins Spiel. Dazu Prof. Dr. Hamm: „5G ist zwar nur ein Rädchen im gesamten System, aber dieses Rädchen kann einen ganz wesentlichen Beitrag zur Verbreitung und zum Einsatz von Robotik und Automatisierungslösungen im Gesundheitswesen beitragen.“ Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei vielfältig von Flottensystemen bis zum Einsatz humanoider Roboter, wie Pepper, zur Animation von Patienten.

Wie sieht die Zukunft aus?

Bei der äußerst informativen Runde zeigte sich, dass der Einsatz von Robotik im Gesundheitswesen von vielen Kontextfaktoren abhängt, von denen die Technologie an sich tatsächlich nur einen kleinen Punkt darstellt. Die größten Entwicklungssprünge sehen die Experten deshalb auch weniger in technischen (Weiter-)Entwicklungen. „Ich denke der nächste Entwicklungssprung wird sein, das überhaupt mal noch stärker zu professionalisieren und zu standardisieren und noch stärker in den klinischen Alltag einzubringen, denn das ist ja noch eher die Ausnahme“, konkretisiert Dr. Michael Koschnike. Prof. Dr. Sesselmann griff diesen Gedanken auf: „Viele der Beispiele sind dem Menschen heute teilweise schon überlegen, zum Beispiel Roboter in der Rehabilitation, die komplexere Übungen an Patienten ausführen können.“ Dabei sei die Kostenfrage aber oft der Knackpunkt. Wie bei Robotern im Sinne von Exoskeletten die Querschnittsgelähmten sehr gut helfen können. „Kostensenkung wäre hier der Quantensprung der notwendig wäre, damit solche Anwendungen, die definitiv positiv sind auch in der Breite anwendbar werden“, so Sesselmann. Ähnlich sieht es auch Prof. Dr. Hamm, der zum Abschluss betont, dass es nicht darum gehe immer komplexere Aufgaben an Roboter auszulagern, sondern darum, die vorhandenen Technologien auch in der Breite einzusetzen.

 

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