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8. Partner-Circle der HAW: „Die Eurokrise“

| Hochschulkommunikation, Fakultät Betriebswirtschaft

Über 80 Prozent der Partner und ihrer Paten aus dem Professorenkreis der HAW kamen zum Jahrestreffen des Partner-Circles nach Weiden. Ehrengast und Referent war Prof. Dr. Kai Carstensen, ifo Institut für Wirtschaftsforschung München und Lehrstuhlinhaber an der LMU München (Makroökonomie und Konjunkturforschung), der prägnant die komplexen Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen der Eurokrise verdeutlichte.

Referent beim 8. Partner-Circle: Prof. Dr. Kai Carstensen

Ehrengast und Referent war Prof. Dr. Kai Carstensen, ifo Institut und Lehrstuhlinhaber an der LMU München (Makroökonomie und Konjunkturforschung), der den Teilnehmern prägnant und anschaulich die komplexen Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen der Eurokrise vermittelte. Carstensen ging zunächst auf die Ursachen der Eurokrise ein. Mit der Einführung des Euro kam es im Euroraum zu einer Zinskonvergenz, was in den südlichen Peripherieländern des Euroraums zu historisch niedrigen Zinsen führte. Zudem konnten diese Länder nun auch langfristige sehr kostengünstige Kreditverträge mit fester Zinsbindung abschließen. Die günstigen Finanzierungsbedingungen sorgten teilweise für einen Immobilienboom (Spanien!), allseits für eine steigende private und öffentliche Verschuldung, bis hin zu einer Kreditblase und in der Folge zu Preissteigerungen und viel zu hohen Reallöhnen. Aus Deutschland floss das Kapital in die Peripherieländer und bescherte uns eine Investitionsflaute mit einem extrem geringen realen Lohnwachstum. Die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der GIPS Länder (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) führte dort zu ungewöhnlich hohen Leistungsbilanzdefiziten. Als auf den Finanzmärkten das Misstrauen gegenüber den GIPS Ländern stieg, versiegte der Kapitalstrom und in der Folge entwickelte sich die Wirtschaft der Defizitländer negativ. Mittlerweile tragen diese Staaten eine enorme Auslandsverschuldung vor sich her. Carstensen betonte, dass es aber in Spanien und Irland im Gegensatz zu Portugal und insbesondere Griechenland erste Anzeichen für eine Besserung gibt.

Vergleichsweise reagierte das Baltikum auf die Krise mit massiven Lohnsenkungen und Einschnitten bei den staatlichen Leistungen. Auch deswegen kam es 2009 im Baltikum zu einem massiveren Einbruch der wirtschaftlichen Entwicklung. Diese Länder gewannen seitdem aber deutlich an Wettbewerbsfähigkeit und inzwischen wächst die baltische Wirtschaft sogar wieder langsam, wohingegen die GIPS Länder weiter schrumpfen. Das baltische Beispiel zeigt, wie die durchaus schmerzliche Kur bei den GIPS-Ländern aussehen müsste, um ähnliche Erfolge erringen zu können.

In seinem Résumé betonte Carstensen, dass weitere massive Finanzierungshilfen der Nordländer ohne grundlegende strukturelle Reformen des Südens auch die Retter in eine prekäre Verschuldungssituation bringen würden. Als erste Warnzeichen hierfür präsentierte Carstensen die jetzt ebenfalls steigenden Prämien der Kreditversicherungen für deutsche Staatsanleihen. Prof. Dr. Horst Rottmann, HAW in Weiden, der als Forschungsprofessor am ifo Institut diesen wertvollen Kontakt mit dem Ehrengast hergestellt hatte, führte durch die lebhafte Diskussion, in der Prof. Carstensen auch keine klaren Worte scheute, als es um die Frage ging, wie stark und lange sich Deutschland an der Finanzierung der Krisenstaaten beteiligen solle. Zum einen müsse Deutschland eine Grenze des maximal tragbaren finanziellen Engagements ziehen, zum anderen könne insbesondere Griechenland bei fehlenden Strukturreformen nicht im Währungsverbund bleiben.

Mit einem gemeinsamen Essen in der neuen Mensa klang der Abend traditionell aus. Der nächste Partner-Circle ist für Anfang November 2012 geplant.

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