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Podiumsdiskussion: „Deutschland – Tschechien: Energiekonzepte“

| Hochschulkommunikation, Zentrum für Sprachen, Mittel- und Osteuropa

Energieexperten aus Tschechien und Deutschland diskutierten an der HAW in Weiden die konträren Energiekonzepte der zwei EU-Nachbarländer. Während Deutschland nach dem Reaktorunglück in Fukushima die sogenannte Energiewende eingeleitet hat, setzt sein Nachbar Tschechien weiterhin auf Atomkraft.

Obwohl man bei den deutsch-tschechischen Beziehungen generell eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit pflegt, ist und bleibt die Energiepolitik weiterhin eine nationale Angelegenheit. Nichtsdestotrotz haben die nationalen energiepolitischen Entscheidungen grenzüberschreitende Auswirkungen.
Nach dem einleitenden Grußwort des Generalkonsuls, Josef Hlobil, und dem Kurzvortrag von Jan Prášil über die Entwicklungen der tschechischen und europäischen Energiepolitik  diskutierten die Gesprächsteilnehmer, Jan Prášil, Vertreter des tschechischen Energiekonzerns ČEZ, MdL und Vorsitzender der Bayerischen Energiekommission Tobias Reiß und Professor Dr.-Ing. Magnus Jaeger von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen die aktuellen Herausforderungen für die deutsche und tschechische Energieversorgung.
Jan Prášils Arbeitgeber, der Konzern ČEZ, an dem der tschechische Staat zu 70% beteiligt ist, plant 2017 den Baubeginn von zwei neuen Reaktoren, die für die Energieversorgung Tschechiens notwendig sind. Der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie belastet die tschechischen Stromnetze, da der aus Windkraft gewonnene deutsche Strom über die „Stromautobahnen“ Tschechiens nach Süddeutschland geleitet werden muss. Dies stellt laut Prášil für Tschechien ein Sicherheitsrisiko dar. Während in Deutschland der Stromverbrauch zurückgeht, steigt dieser in Tschechien aufgrund des wachsenden Wohlstands an. Um die CO²-Emmissionen zu reduzieren und gleichzeitig der wachsenden Energienachfrage nachzukommen, plant ČEZ bis 2040 doppelt so viel Energie aus der Kernkraft zu gewinnen wie jetzt.
Tobias Reiß betonte, dass ein Rückzug aus der Energiewende undenkbar sei. Bayerns Ziel ist vielmehr eine regenerative Energiegewinnung von 80 % bis zum Jahr 2050.
In Hinblick auf die Entwicklungen in Tschechien betonte Professor Magnus Jaeger (HAW/Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen), dass die Energieversorgung weltweit immer noch eine nationale Frage ist. Seiner Meinung nach hätte die Politik nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schneller auf die europäische Situation reagieren und beispielsweise die Verteilernetze und Speichermöglichkeiten in einem gesamteuropäischen Rahmen anpassen müssen. Es stellen sich aber auch folgende Fragen: „Welche Energiemengen braucht der einzelne Bürger und die Unternehmen?“ und „Welchen Preis für Energie können wir akzeptieren und wie wird dieser für die einzelnen Verbraucher kalkuliert?“ Da sich die Energienachfrage besonders in den neueren EU-Ländern weiter dynamisch entwickeln wird, ist auch hier der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien gefordert. Für eine erfolgreiche Energiewende ist aber der effiziente Umgang mit Energie, seitens der einzelnen Bürger und Unternehmen unabdingbar.
Der Moderator des Abends, Matthias Groher, stellte abschließend fest, dass die Energiewende politisch gewollt und technisch machbar ist. Bayern könnte sich versorgen, wenn der bayerische Bürger bereit wäre, einen höheren Energiepreis zu zahlen. Eine Lösung für die optimale Art der Energiegewinnung sowie eine Klärung, wie die Energieüberschüsse genutzt bzw. gespeichert werden können, konnte natürlich nicht gefunden werden. Einig waren sich jedoch alle Teilnehmer, dass das größte Potential im Energiesparen liege.

Die Podiumsdiskussion „Deutschland – Tschechien: Zwei unterschiedliche Energiekonzepte im vereinten Europa“ war Teil der Bayerisch-Böhmische Kultur- und Wirtschaftstage und fand in Kooperation mit dem Sprachen- und Mittel- Osteuropazentrum der HAW Amberg-Weiden statt.

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