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65 Jahre Radio Free Europe: Pressefreiheit damals und heute

| Sprachenzentrum, Hochschulkommunikation, Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen

„Hier spricht die Stimme der freien Tschechoslowakei, das Radio Freies Europa“ – mit diesem Satz nahm Radio Free Europe (RFE) vor 65 Jahren den Betrieb auf. Der Rundfunksender war während des Kalten Krieges in München angesiedelt, von dort versorgte er Hörer jenseits des Eisernen Vorhangs mit Nachrichten aus dem Westen. Lída Rakušanová arbeitete zu dieser Zeit in der tschechoslowakischen Redaktion von RFE. Bei einer Abendveranstaltung an der OTH in Weiden berichtete sie über ihre Erlebnisse und warf einen Blick auf die aktuelle Medienlandschaft.

Moderator Robert Bayer im Gespräch mit der ehemaligen RFE-Redakteurin Lída Rakusanová

Sitzend: Robert Bayer, Lída Rakusanová. Stehend: Marian Mure, Zentrum für Sprachen Mittel- und Osteuropa; Professor Dipl.-Ing. Ulrich Müller, Vizepräsident; Dr. Ladislava Holubovà, Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die Veranstaltung "Radio Free Europe".

Wie kamen die freien Informationen hinter den Eisernen Vorhang? Wer hat die unabhängige Radiostation gegründet und finanziert? Im Gespräch mit dem slowakischen Moderator und Blogger Robert Bayer warf Lída Rakušanová einen Blick zurück auf ihre Erlebnisse bei Radio Free Europe.

RFE wurde zu Beginn des Kalten Krieges von tschechischen Intellektuellen gegründet. Die Rundfunkstation sendete von München aus nach ganz Europa, später sogar bis nach Asien. Das Ziel: Hörer in kommunistischen Ländern mit freien Nachrichten zu versorgen. Heute befindet sich die Zentrale von Radio Free Europe in Prag und sendet über 1.000 Stunden wöchentlich in 29 Sprachen in 24 Länder des östlichen Europas, Zentralasiens und des Mittleren Ostens.

Lída Rakušanová hat von 1978 bis 1989 bei RFE fest gearbeitet, vorher war sie als freie Journalistin für den Sender tätig. Nach Deutschland kam sie Ende der 1960er Jahre. Kurz nachdem die Truppen des Warschauer Pakts die Tschechoslowakei besetzt hatten, flüchteten sie und ihr Mann über die Grenze. An die Aufnahme in Deutschland hat Lída Rakušanová positive Erinnerungen – nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings begegnete die deutsche Bevölkerung den tschechischen Emigranten mit Sympathie und Mitgefühl. Insgesamt haben damals 150 000 Menschen das Land verlassen, eine beachtliche Zahl für die kleine Republik.

Die Situation der heutigen Medienlandschaft macht Lída Rakušanová Sorgen: Viele Menschen in Europa zweifeln an der Objektivität der Berichterstattung, in Tschechien misstraue jeder Zweite der unter 30-jährigen den Medien. Trotz Twitter, YouTube, Facebook und Co. stellt Lída Rakušanová die Daseinsberechtigung von Radio Free Europe aber nicht in Frage. Auch wenn der Einfluss dieses Mediums gesunken ist, gelte es Pressefreiheit und professionelle Pressearbeit weiterhin hochzuhalten.

Die Veranstaltung hat der Studiengang Internationales Technologiemanagement und das Zentrum für Sprachen, Mittel- und Osteuropa der OTH Amberg-Weiden organisiert. Sie wurde von Musik des berühmten tschechischen Liedermachers Karel Kryl begleitet.

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