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Kunststoffe – Die unbequeme Wahrheit über Mikroplastik, Müllstrudel und Weichmacher

| Hochschulkommunikation, Kunststofftechnik, Fakultät Maschinenbau / Umwelttechnik

Kunststoffe sind aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken: Sie stecken in Lebensmittelverpackungen, Sportartikeln oder Smartphones und machen als Hochleistungskunststoffe Autos leichter – und damit effizienter. Gleichzeitig sorgen sie als Plastikmüll für negative Schlagzeilen, die Medien beschäftigen sich immer wieder mit der Vermüllung der Ozeane. Sind Kunststoffe also Fluch oder Segen? Beides! Eine Veranstaltung an der OTH in Amberg zeigte, warum das so ist.

Prof. Dr.-Ing. Burkhard Berninger beschäftigte sich in seinem Vortrag mit Kunststoffen als "Abfall – gestern und heute".

Prof. Dr. Mario Mocker moderierte den Abend. Er skizzierte kurz das Dilemma, in dem die modernen Industriegesellschaften stecken: Zum einen bestehen (lebens-)wichtige Produkte aus den Bereichen Medizin, Mobilität oder Bauwesen aus Kunststoff, zum anderem verschmutzen Plastik und Co. die Ozeane. An die EU-Strände werden nicht nur Plastikflaschen, -tüten und -becher angespült, sondern auch Wattestäbchen oder Luftballonhalter. Als Maßnahmen werden Verbote und Zielvorgaben zur Verbrauchsminderung und zum Recycling vorgeschlagen. Die Hersteller sollen an den Kosten der Abfallentsorgung beteiligt, die Verbraucher durch Aufklärungskampagnen und Produktkennzeichnungen für das Problem sensibilisiert werden.

Prof. Dr.-Ing. Burkhard Berninger beschäftige sich in seinem Vortrag mit Kunststoffen als Abfall – gestern und heute: Die vordringlichste Aufgabe ist, die Verschmutzung der Meere zu reduzieren, Kunststoffe systematisch zu sammeln und sie so von Gewässern fernzuhalten. Die Art der Verwertung ist erst einmal zweitrangig, auch wenn eine möglichst hochwertige stoffliche Verwertung anzustreben ist. Bei bestimmten kleinteiligen, stark vermischten und verschmutzten Kunststoffgemischen, deren stoffliche Verwertung einen unverhältnismäßig hohen Aufwand erfordert oder technisch nicht möglich ist, stellt die thermische Verwertung eine notwendige Ergänzung dar.

Dr. Peter Hense, Fraunhofer UMSICHT, blickte in seinem Vortrag hinter die Kulissen des Kunststoffrecyclings. Am Beispiel von Verpackungskunststoffen verdeutlichte er die aktuellen Schwächen und Herausforderungen. So werden in Deutschland zwar fast 100 Prozent der Verpackungskunststoffe gesammelt, jedoch nur etwa ein Drittel recycelt. Die Quote für sortenreine Kunststoffe beläuft sich sogar nur auf 18 Prozent. Gründe dafür sind die Verschiedenheit von Kunststoffen, die Grenzen der Trenn- und Sortierbarkeit sowie diverse Füllstoffe. Im Anschluss skizzierte er Wege in das Kunststoff-Recycling von morgen.

Prof. Dipl.-Ing. Joachim Hummich lud ein zum Faktencheck. Was sind Tatsachen, was sind Mythen über Kunststoffe? In seinen Ausführungen stellte er unter anderem klar, dass Weichmacher nicht flächendeckend eingesetzt werden oder Mikroplastik in Kosmetika vermeidbar ist. Viele Kritikpunkte an Kunststoffen, so sein Resümee, werden verkürzt oder übertrieben dargestellt.

„Kunststoffe – unentbehrliche Alltagsbegleiter“ lautete der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Tim Jüntgen. Der Professor zeigte, was es bedeuten würde, vollständig auf Kunststoff zu verzichten. Das wäre dann ein Leben ohne Elektrizität (Kabelisolierungen), Consumer Electronics (PCs, Smartphones), Hochleistungssport (Kleidung und Sportgeräte) und massiven Einschränkungen in der Mobilität (Gummireifen, ressourcenschonendes Fahren/Fliegen). Daher dürfen Kunststoffe nicht pauschal verteufelt werden, da sie oftmals signifikante Beiträge zum technologischen Fortschritt leisten. Wichtig ist ein gewissenhafter und verantwortungsvoller Umgang, damit diese nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen.

Die OTH Amberg-Weiden beschäftigt sich schon seit Gründung der Hochschule intensiv mit diesem Thema „Energie- und Ressourceneffizienz“. Um die vielfältigen Kompetenzen, die Forschungsaktivitäten und die Studienangebote der Hochschule in diesem Bereich darzustellen, lautet das Jahresmotto der OTH Amberg-Weiden im Studienjahr 2018/19 „Energie- und Ressourceneffizienz“. Die Veranstaltung „Kunststoffe – Die unbequeme Wahrheit über Mikroplastik, Müllstrudel und Weichmacher“ war die erste, die im Rahmen des Jahresmottos stattgefunden hat.

Dr. Peter Hense, Fraunhofer UMSICHT, blickte in seinem Vortrag hinter die Kulissen und in die Zukunft des Kunststoffrecyclings.

Prof. Dipl.-Ing. Joachim Hummich lud ein zum Faktencheck: Tatsachen und Mythen über Kunststoffe.

„Kunststoffe – unentbehrliche Alltagsbegleiter“ lautete der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Tim Jüntgen.

Prof. Dr. Mario Mocker moderierte die Veranstaltung.

Podiumsdiskussion mit allen Referenten

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