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„Wissen gehört in die Gesellschaft“ – Prof. Dr. Steffen Hamm im Interview

| Alumni, Hochschulkommunikation, Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen, Medizintechnik

Prof. Dr. Steffen Hamm wurde im April 2018 an die OTH Amberg-Weiden berufen. Der gebürtige Kulmbacher studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, wo er summa cum laude promovierte. Er lehrte an mehreren Hochschulen und arbeitete u. a. im Medical Valley in Erlangen. Im Interview spricht er über sein Lehrgebiet und die Zukunft der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

Prof. Dr. Steffen Hamm

Sie wurden für das Lehrgebiet Gesundheitswirtschaft berufen. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Die Gesundheitswirtschaft ist für mich der Wachstumsmarkt schlechthin, er wird uns allerdings nicht einfach so auf dem Silbertablett serviert. Neue Technologien wie E-Health oder Big Data-Anwendungen bergen enorme Potentiale. Andererseits stehen wir gerade in Deutschland vor hohen regulatorischen Hürden – Datenschutzgesetze, Medizinproduktgesetz oder Richtlinien zur Sicherung der Behandlungsqualität müssen eingehalten werden. Dazu kommen der Kostendruck im Gesundheitswesen, der Fachkräftemangel und demografische Herausforderungen. Besonders in ländlichen Regionen wie der nördlichen Oberpfalz sind Engpässe in der Gesundheitsversorgung zu erwarten.

Wie kann die Gesundheitswirtschaft darauf reagieren?

Die größte Schwachstelle im deutschen Gesundheitswesen ist die sektorale Trennung in ambulant und stationär – dadurch ist die Patientenversorgung oft aufwändig und unkoordiniert. Speziell für ländliche Regionen gilt es daher, neue, sektorenübergreifende Organisationsformen zu entwickeln. Braucht man unbedingt ein Krankenhaus, um die medizinische Versorgung sicher zu stellen? Oder kann ein ambulantes Gesundheitszentrum diese Aufgabe genauso gut erfüllen? Lässt sich die Patientenversorgung auf dem Land mit telemedizinischen Angeboten verbessern? Welche Potenziale liegen in E-Health und Digitalisierung? Für diese und weitere Herausforderungen werden wir Lösungen entwickeln.

Und dafür setzt die OTH Amberg-Weiden auf drei Säulen …

Genau, Wissenschaft, Versorgung und Wirtschaft. Unter der Führung unseres Gesundheits- und Medizintechnik-Campus, der eng an uns angebundenen Gesundheitsregionplus Nordoberpfalz und dem bei uns angesiedelten Medical Valley Center Weiden entsteht aktuell ein Kompetenzzentrum für Gesundheit im ländlichen Raum. Die Gesundheitsregionplus – ein Konzept des bayerischen Gesundheitsministeriums mit dem Ziel, die Akteurinnen und Akteure vor Ort zu vernetzen, um passgenaue Versorgungskonzepte und Versorgungsformen zu entwickeln – ist dabei ebenso ein wichtiger Partner wie das Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg, mit dem wir kürzlich einen Kooperationsvertrag abgeschlossen und das international ein führender Cluster im Bereich Medizintechnik, Medizin und Gesundheit ist.

Sie haben selbst mehrere Jahre in eben diesem Medical Valley Clustermanagment gearbeitet. Welche Erfahrungen bringen Sie mit an die OTH Amberg-Weiden?

Ich war dort verantwortlich für Digital Health sowie Entrepreneurship und habe zahlreiche Start-ups auf dem Weg von der Idee zur Lösung in der Gesundheitsversorgung begleitet. Über die Zweigstelle in Weiden freue ich mich besonders, denn ich bin stark vom transdisziplinären Ansatz des Medical Valley überzeugt, also der Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, um die Gesundheitsversorgung effizienter und patientenorientierter zu gestalten. Diese Erfahrungen bringe ich hier an der Hochschule ein. Außerdem habe ich im Medical Valley gelernt, dass Wissen nicht in den vielbeschworenen Elfenbeinturm gehört, sondern in die Anwendung und Versorgung, in die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Denn nur wenn Wissen auf Praxis trifft, lassen sich konkrete Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung erzielen.

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