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Ostbayerns Hochschulen überwinden Raum und Zeit

Pilotprojekt „Digitaler Trendtag“ in Amberg und Deggendorf

| Hochschulkommunikation | TRIO

Beim ersten „Digitalen Trendtag“ experimentieren die Hochschulen in Amberg und Deggendorf mit Live-Streaming und App-Unterstützung, um eine innovative Veranstaltungsform zu etablieren. Ein Mix aus persönlicher Begegnung und Konferenzschaltung soll die Zukunft standortübergreifender Tagungstechnik sein.

Prof. Dr. Stefan Sesselmann präsentiert ein Hüftimplantat aus dem 3D-Drucker.

Mit dem Reden macht man’s aus – diese Volksweisheit trifft auch auf Wissenschaft und Forschung zu. Deswegen gibt es einen munteren Reigen großer Kongresse und Meetings, gerade auch auf medizinischem Gebiet, bei denen Theoretiker und Praktiker ihr Wissen austauschen. Für Forschende und Ärzte, die in ländlichen Regionen tätig sind, heißt das meist lange und beschwerliche Reisen. Selbst ein aktueller Vortrag in einer bayerischen Metropole bedeutet, dass Interessierte aus Ostbayern einen ganzen Tag „opfern“ müssen. Die OTH Amberg-Weiden und die Technische Hochschule Deggendorf schaffen nun mit einem neuen Veranstaltungsformat Abhilfe: Der „Digitale Trendtag für Ostbayern“ bietet Top-Vorträge aus den medizinischen Bereichen Orthopädie und Rehabilitation für wenig Aufwand. 

„Das ist ganz klar eine Sternstunde der menschlichen Entwicklung“, lacht Prof. Dr. med. habil. Stefan Sesselmann von der OTH Amberg-Weiden. „Oberpfälzer und Niederbayern überwinden Zeit und Raum.“ Die ironische Überhöhung soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden Hochschulen tatsächlich Neuland betreten. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr.-Ing. Thomas Spittler von der TH Deggendorf hat er vier Vorträge über Digitale Endoprothetik, Biomechanik in der Orthopädie, Nachbehandlungstechniken nach moderner Prothesenversorgung und Rehabilitation als Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Physiotherapeuten und Klinikmitarbeiter zusammengestellt.

„Neu ist, dass diese Veranstaltung an zwei verschiedenen Orten in Niederbayern und der Oberpfalz gleichzeitig stattfindet“, erklärt Sesselmann. Die Vorträge und Fragerunden werden zwischen den Standorten Amberg und Pfarrkirchen hin- und hergestreamt. „Wer sich weiterbilden und austauschen will, muss also nicht durch ganz Ostbayern fahren, sondern kann sich den am günstigsten gelegenen Standort aussuchen“, ergänzt Thomas Spittler. Moderne Technik kann also die Nachteile im ländlichen Raum gegenüber den Metropolen ausgleichen. Der Pilotversuch, da sind sich beide Wissenschaftler einig, wird Maßstäbe setzen.

Denn längst weiß man, dass die versprochenen Segnungen des Internets nicht eingetreten sind: Experten sitzen nicht auf einem Einödhof und tauschen sich mit anderen Experten rein virtuell aus. Es braucht persönliche Begegnungen, damit Kreatives oder Innovatives entstehen kann. Und deswegen zieht es Experten eben nach Berlin, Frankfurt am Main und München. Ist das ländliche Ostbayern also dazu verdammt, nicht zur absoluten Spitze aufschließen zu können? Ganz im Gegenteil, finden die beiden Professoren. „Wir kombinieren persönlichen Austausch und fernmündliche Kommunikation in einer idealen Weise“, sagt Sesselmann.

Der besondere Vorteil sei, dass so auch echte Praktiker ihre Erfahrungen einbringen können. Denn Kongress-Debatten würden meist mit wenig Erdung geführt. Doch gerade der Praxisbezug ist die große Stärke der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Und so arbeiten neben der OTH Amberg-Weiden und der TH Deggendorf auch die OTH Regensburg, die HAW Landshut sowie die Universität Passau daran, den ostbayerischen Raum, insgesamt noch stärker zu vernetzen. Der Digitale Trendtag ist nämlich ein erster Großversuch im Rahmen des fünfjährigen Forschungsprojektes TRIO.

Mittelfristig haben die Mitglieder des Vorhabens das Ziel, den Transfer zu stärken – also den Austausch und die Zusammenarbeit der Hochschulen mit Unternehmen oder gesellschaftlichen Akteuren in Ostbayern zu verstärken. Ziel ist es, deren Innovationskraft zu stärken. „Wenn wir zusammenarbeiten, dann sind wir ostbayerischen Hochschulen so leistungsfähig wie die großen Technischen Universitäten beispielsweise in München“, erklärt Professor Spittler selbstbewusst. Mit dem erfolgreichen ersten Digitalen Trendtag sind die Hochschulen ihrem Ziel ein Stückchen näher gekommen.

30 Zuhörer im Siemens Innovatorium, dem großen Hörsaal des Amberger Campus, lauschen den Referenten aus Pfarrkirchen, die Vorträge aus Amberg werden wiederum nach Niederbayern gestreamt. Auch Fragen können über 180 Kilometer hinweg von einem Standort zum anderen gestellt werden. Zur Unterstützung wird außerdem eine App eingesetzt, die es dem Publikum ermöglicht, den Referenten ohne Störung zu signalisieren, wenn ein Punkt nochmals vertieft oder genauer erklärt werden muss.

Die beiden Hochschulen experimentieren mit verschiedenen Technologien und Veranstaltungsformen, um die ideale standortübergreifende Tagung zu entwickeln. Für Stefan Sesselmann ein kleiner Schritt mit großer Wirkung: „Ein gemeinsamer ostbayerischer Wissensraum birgt enorme Potentiale.“ Irgendwann könnten an allen sechs Partnerhochschulen große Kongresse stattfinden – ohne dass sich die einzelnen Teilnehmer dafür stundenlang in die Bahn setzen müssen.

Über TRIO

TRIO steht für „Transfer und Innovation in Ostbayern“. Das Projekt der OTH Amberg-Weiden, der TH Deggendorf, der OTH Regensburg, der HAW Landshut sowie der Uni Passau wird durch die Förderinitiative Innovative Hochschule gefördert – dem Pendant zur Exzellenzinitiative für Spitzenforschung. Bei der Innovativen Hochschule geht es darum, den Austausch zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Hochschule zu optimieren, um die Innovationskraft einer Region zu stärken.

 

M.Sc. Christopher Fleischmann beim Vortrag im Siemens Innovatorium.

Karina Schuller, Entwicklerin und Organisatorin des Digitalen Trendtages, führt den Tremorhandschuh vor.

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