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Internationale Studierende berichten über ihre Studienerfahrungen während der Pandemie

| Hochschulkommunikation, International

Lockdown, Digitale Lehre oder gar Quarantäne – das vergangene Sommersemester stellte Studierende vor neue und komplett unerwartete Herausforderungen. Besonders einschneidend waren die Einschränkungen für internationale Studierende, die für ein Semester oder ein ganzes Studium nach Deutschland gekommen sind. Planungen und Erwartungen ans Studentenleben wurden durch Corona gänzlich auf den Kopf gestellt.

Njomen Usman konnte unter anderem bei Fahrradtouren die Umgebung kennenlernen, hier zum Beispiel bei einem Zwischenhalt auf dem Weg nach Neustadt.

Zwei von ihnen sind Njomen Usman und Riccardo Beretta, die beide im März, kurz vor dem Lockdown, an die OTH Amberg-Weiden kamen. Wie sie das Semester erlebt haben und welche durchaus auch positiven Erfahrungen sie trotz Corona machten konnten, haben sie uns berichtet.

Der 28-jährige Italiener Riccardo Beretta ist für ein Auslandssemester nach Weiden gekommen. Njomen Usman, der 23 Jahre alt ist und ursprünglich aus Kamerun kommt, studiert International Business in Weiden. Njomen beginnt zu erzählen: „Als im März die Vorlesungen starten sollten, wurde es sehr schlimm mit Corona […] und die Lockdown-Maßnahmen wurden getroffen.“ Dazu Riccardo: „Bis April, Anfang Mai hatten wir noch keinen Unterricht, weil alles erst organisiert werden musste.“

Für internationale Studierende stehen vor dem Semesterstart immer zunächst einmal die Orientierungstage an. Drei Tage, um den Campus in Amberg und Weiden kennenzulernen, erste Kontakte zu knüpfen und offene Fragen zu klären. Vergangenes Semester wurde alles etwas verkürzt, zwei Tage mussten, den Umständen geschuldet, reichen. Unter anderem musste das gemeinschaftliche Kochen und die abschließende Exkursion nach Nürnberg leider ausfallen. Trotzdem hat es Njomen gut gefallen, für ihn sei es eine wirklich schöne Begrüßung gewesen und er hoffe, dass die Exkursion noch nachgeholt werden kann. Riccardo, der aus einem Risikoland anreiste, durfte an den Orientierungstagen leider nicht teilnehmen, sondern musste zwei Wochen Quarantäne im Studentenwohnheim verbringen. Seine italienische Kommilitonin, die mit ihm nach Weiden gekommen war, kehrte, auch deshalb, bereits nach wenigen Tagen zurück in ihre Heimatstadt nördlich von Mailand. Auch Riccardo überlegte den Auslandsaufenthalt abzubrechen: Er sagte sich: „Ich bleibe hier und erst wenn die Umstände schlechter werden geh ich zurück, aber ich habe mich dann doch entschlossen zu bleiben.“

Njomen gefällt es gut in Weiden, zuerst fand er es ein wenig langweilig, da er noch keine Leute kannte, aber jetzt findet er es sehr interessant. Er hat auch schon in großen Städten wie Istanbul gelebt, doch gerade zum Studieren bevorzugt er kleinere Städte. Die Natur gefalle ihm, man könne spazieren gehen und wenn man doch mal ein wenig Trubel möchte, könne man ins Stadtzentrum gehen. Durch seinen Nebenjob hat er auch schon viele Freunde gefunden. Zuerst dachte er, die Bayern seien etwas verschlossen, doch jetzt sagt er: „Sie sind offener als ich dachte und wenn man sie erst näher kennen lernt, wird man seine Meinung schnell ändern.“

Riccardo war während seinem Auslandsaufenthalt meist mit anderen aus dem Wohnheim unterwegs, auch wenn dieses im Corona-Semester leerer als üblich war. Trotz der Einschränkungen konnten sie einige Ausflüge unternehmen, so erzählt er zum Beispiel von einer gemeinsamen Fahrradtour durch die Region und von Kurztrips nach München und Nürnberg.

Im Studium selbst mussten sich Njomen und Riccardo, wie auch alle anderen Studierenden, zunächst an die Online-Lehre gewöhnen. Njomen meint, dass es am Anfang komisch gewesen sei und sich alle an die neue Situation anpassen mussten, aber er hatte stets das Gefühl, dass die Dozenten ihr bestes gegeben haben und immer sehr bemüht waren. Was ihm an der Online-Lehre sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass er seine Vorlesungen wiederholt ansehen kann. Vor allem wenn das ganze Studium in einer Fremdsprache ist, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Dazu ergänzt Riccardo: „Alles war in Englisch und somit erstmal neu, da es sehr anders ist auf Englisch zu studieren.“ Betont aber auch, dass dies eine gute Möglichkeit ist, sowohl sein Englisch als auch sein Deutsch zu verbessern. Für Njomen, der noch mehrere Semester an der OTH vor sich hat, ist das Online-Studium bereits normal geworden, dennoch vermisst er den klassischen Unterricht im Klassenzimmer. Für den Deutschkurs zum Beispiel denkt er wäre es einfacher im Präsenzunterricht zu lernen. Für Riccardo geht das Studium nun in Italien weiter. Wahrscheinlich erstmal online und nur einzelne Laborveranstaltungen an der Universität.

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