Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Promovieren an Hochschulen – praxisnahe und lösungsorientierte Forschung

| Hochschulkommunikation, Pressemeldungen, Alumni

Promotionen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) und Technischen Hochschulen (THs) sind keine Seltenheit mehr. Diese sind im Rahmen von Verbundpromotionen bereits seit einigen Jahren möglich und eine beliebte Option – sowohl bei Hochschul- als auch UniversitätsabsolventInnen. Wie auch die Lehre sind Promotionen an Hochschulen dabei anwendungsorientiert und praxisnah ausgerichtet und gehen oft mit einem konkreten Forschungsprojekt einher.

Stefan Förstel

Dies war einer der Gründe, warum sich Stefan Förstel als Universitätsabsolvent für eine Promotion an der OTH Amberg-Weiden entschied: „Mir war es nach meinem eher theoretisch orientierten Mathematikstudium wichtig, etwas zu tun, was einen ersichtlichen und baldigen Nutzen bringt. Ich wollte nicht an abstrakten Fragestellungen, sondern mit meiner Arbeit einen direkten und sichtbaren Nutzen erzielen.“ Seit zwei Jahren forscht und arbeitet der 33-jährige Doktorand an der OTH Amberg-Weiden im Projekt MALEB, das mittels maschinellen Lernens die Personalbedarfsplanung in Krankenhäusern verbessern soll, um die angespannte Pflegesituation in Deutschland zu entschärfen.

Ausgangslage des Projekts ist, dass die Patientenzahlen in Krankenhäusern starken Schwankungen unterliegen. „Diese Schwankungen folgen aber einem Muster, das man von außen nicht direkt sehen kann, das hängt unter anderem von Faktoren wie dem Wetter oder den Schulferien ab. Wenn es beispielsweise schneit und man in einem Skifahrgebiet ist, gibt es mehr Beinbrüche und Kreuzbandrisse“, erklärt Förstel. Ziel von MALEB ist es, genau diese Muster zu suchen und daraus die Patientenzahlen abzuleiten. Es wird ein Lernsystem entwickelt, das den Personalbedarf möglichst präzise vorhersagen kann und in Kliniken und Krankenhäusern zum Einsatz kommt. 

Dabei gibt es mehrere Herausforderungen. Zum einen die technische Seite, da die gesuchten Muster nicht offensichtlich sind und auch datenschutzrechtliche Aspekte zu beachten sind. Zum anderen soll das entwickelte System möglichst einfach und interpretierbar sein, damit die Akzeptanz bei der Pflegebedarfsplanung gegeben ist. „Wenn das einfach nur eine Blackbox ist, wie ja bei vielen neuronalen Netzen der Fall, dann ist es schwierig, das für jemanden, der das bisher immer per Hand gemacht hat, nachzuvollziehen und zu akzeptieren“, erläutert Förstel. Das Forschungsprojekt findet in Zusammenarbeit mit der Kliniken Nordoberpfalz AG sowie der infoteam Software AG als Unternehmenspartner statt.

Verbundpromotion

„Da Hochschulen noch kein eigenständiges Promotionsrecht haben, ist im Rahmen kooperativer Verbundpromotionen immer eine Universität beteiligt. In meinem Fall ist es die FAU Erlangen-Nürnberg, an der ich bereits meinen Bachelor- und Masterabschluss absolviert habe“, erzählt Förstel. Verankert sind diese Verbundpromotionen unter dem Dach des Bayerischen Wissenschaftsforums (BayWISS), einer Kooperationsplattform aller bayerischen Universitäten und HAWs. BayWISS ist dabei in elf thematisch abgegrenzte Verbundkollegs untergliedert, von denen die OTH Amberg-Weiden in fünf Mitglied ist: Energie, Digitalisierung, Gesundheit, Ökonomie sowie Mobilität & Verkehr – und bei zwei weiteren als Trägerhochschule fungiert.

Stefan Förstel betont dazu: „Die Verbundkollegs von BayWISS sind super für die Vernetzung außerhalb der eigenen Hochschule, man bekommt hier sehr gute finanzielle Unterstützung und zudem eine tolle Möglichkeit zur Weiterbildung.“

Seit Kurzem engagiert er sich im Gremium der Promovierendenvertretung von BayWISS Gesundheit „Wir helfen BayWISS dabei, die Promovierenden bestmöglich zu unterstützen, unter anderem bei der Verteilung finanzieller Mittel“, erklärt Förstel und führt die Gründe für sein Engagement an: „Viele Promovierende im Bereich Gesundheit sind weniger technisch versiert und kommen beispielsweise aus der Logopädie, Physiotherapie oder der Pflege. Mir war deshalb wichtig, auch die technische Seite in der Promovierendenvertretung abzudecken, damit diese in Förderanträgen ebenso vollumfänglich berücksichtigt wird.“

Nach oben