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Spiritueller Impuls zum Semesterstart

Wir freuen uns über Eure zahlreiche Teilnahme am „Spirituellen Impuls zum Semesterstart” (04.10.2022, 08:30 Uhr Audimax Amberg bzw. Multifunktionsraum Weiden). Er stand unter dem Motto „Ein Gott, der uns sieht” und rückte die biblische Figur der „Hagar” aus dem Alten Testament ins Zentrum. Hier findet Ihr ein paar Teile daraus.

 

Bibelstelle = Gen/1Mos 16,6-13 (Auszug):

Abr(h)am sprach zu seiner Frau Sara: Siehe, deine Magd Hagar ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir’s gefällt. Da demütigte Sara sie, sodass Hagar vor ihr floh. Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste. […] Der sprach zu ihr: Hagar, Saras Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sara, meiner Herrin, geflohen. Der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand. […] Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. Und Hagar nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“

 

Bitt-Gebet

Mit Hagar und allen Menschen, die am Übergang zu einer neuen Zeit stehen, möchten wir zu Gott, dem guten Schöpfer aller Menschen, Länder und Völker, für Euch beten:

  • Du bist ein Gott, der mich ansieht – bei meinem Aufbruch heute ins Studium, in ein neues Semester. Schick mir deinen Engel und begleite mich!
  • Du bist ein Gott, der mich ansieht – wenn ich einmal nicht mehr weiter weiß und einsam bin. Schick mir einen Engel und leite mich!
  • Du bist ein Gott, der mich nicht übersieht, wenn andere wegschauen, meine Situation ignorieren, mich ausgrenzen. Schick mir deinen Engel und tröste mich!
  • Du bist ein Gott, der mich nicht allein lässt, auch wenn es ausweglos erscheint. Schick mir einen Engel und bau mir eine Brücke zu den anderen Menschen!
  • Du bist ein Gott, der mir wunderbar Hilfe schickt, die ich nicht mehr erwartet habe, bei Prüfungen im Lernen wie im Leben. Schick mir einen Engel und rette mich

 

Meditationsgedanken

(Bezug = Bildkarte: https://shop.gottesdienstinstitut.org/gottesdienst-in-der-gemeinde/jahreswechsel-und-epiphanias/du-bist-ein-gott-der-mich-sieht-gottesdienst-zur-jahreslosung-2023-zur-kalenderkarte-2023-und-zur-klappkarte-der-engel-erscheint-hagar-und-ismael.html)

Ich habe ein altes Bild aus der westlichen Kunst mitgebracht: Der niederländische Barockkünstler Rembrandt van Rijn hat es vor über 360 Jahren gezeichnet. Die Karte, die Sie in Händen halten, hat einen runden Ausschnitt. Auch wir merken in der westlichen Kultur zunehmend, dass unsere Sichtweise nur ein Ausschnitt eines großen Ganzen ist aus vielfältigen Kulturen u. Traditionen dieser Welt ist.

Und dennoch: einem einzigen, trotz aller Unterschiede gemeinsamen, Gott vertrauen, der mich liebevoll ansieht – egal, wie und wer ich bin –, dazu möchten wir anregen! Lasst Euch zum Beginn des neuen Semesters auf ein sehr altes interreligiöses Thema ein. Es findet sich:

  1. In der hebräischen Bibel, der „Thora“, ist also den Juden wichtig.
  2. Aus der Thora kam es in die christliche Bibel und ist für uns Christen von Bedeutung.
  3. Selbst im Koran (Sure 14,39; s.a. 14,37) wird eine der Hauptpersonen erwähnt; somit ist diese Geschichte auch für Muslime wertvoll.

Es geht um Hagar, die in einer Dreiecksgeschichte mit Abram und Sara verwoben ist – sie wird als Stammmutter der Muslime verehrt. Hier auf diesem farbigen Gemälde von Matteus Stom ist die junge Hagar mit dem alten Paar Sara und Abraham zu sehen.

Der Künstler Rembrandt hat in der Zeichnung auf Ihrer Karte die Sklavin Hagar und ihren Sohn Ismael in der Wüste gezeichnet, nachdem ihre Herrin Sara sie verstoßen hatte. Das Bild zeigt sie bei ihrer Wanderung durch Trockenheit und Einsamkeit – als Gottes Engel sie rettet. Wer die Karte aufklappt, erkennt den Hintergrund der Szene. Mit dürren Federstrichen hat Rembrandt Hagar dargestellt, kurz vorm Verdursten. Flehend sieht sie den Engel an! Links neben ihr am Boden Ismael, ihr kleiner Sohn. Sein Kopf zur Seite gesunken. Rechts vorne ein umgestürzter Wasserkrug, wie ein Sinnbild der Trostlosigkeit. In dieser grenzwertigen Szene geht es gerade um alles oder nichts!

Da kommt ein Engel in die Mitte geflogen, sieht Hagar liebevoll an und kommt ihr zu Hilfe…

Einem Gott vertrauen, der mich – durch seine Engel in Menschengestalt – liebevoll ansieht: Für Hagar und Ismael war dies die Rettung vor Ausgrenzung, ja aus Lebensgefahr.

In Hagar rettet Gott eine ohnmächtige, ausgelieferte Frau, die in der Familienhierarchie ganz unten steht. Er tröstet sie durch seinen Engel – der weist auf dem Bild mit seiner linken Hand auf einen Brunnen hin, auf frisches Wasser, das Kraft für einen neuen Anfang schenkt. Mitten in Wüsten-Not wartet Gott auf sie. Doch erspart er ihr nicht die Auseinandersetzung mit Abrahams Frau: Gott schickt Hagar zu Sara zurück. Und er macht ihr Mut zu diesem Schritt.

So motiviert Euch diese Bibel-Geschichte: Sprecht Eure Nöte und Ängste, Eure Sehnsüchte und Hoffnungen aus vor Gott und den Mitmenschen, traut Euch! Auch wenn Gott nicht all Eure schwierigen Situationen auflöst. Und ver-traut darauf, dass Gott Euch sieht, Euch den Weg zeigt und treu begleitet. Selbst, wenn ihr es gar nicht mehr erwartet.

Das ist unser Wunsch heute für Euch: Dass in allen Auseinandersetzungen, die auch Euch nicht erspart bleiben werden, ein Engel Gottes begegnet, der zeigt, wie Gott uns sieht, uns stärkt und treu begleitet.

 

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