Zehn Ausgaben, eine Frage: Wie sieht das Krankenhaus der Zukunft aus?
Von Medizintechnik und „Krankenhaus 4.0“ bis zu Robotik und ambulantem Operieren: Die Hospital Engineering Trends feierten 2026 ihr Jubiläum. Drei Tage lang diskutierten internationale Fachleute mit der OTH Amberg-Weiden und der HT Group in Heideck und Amberg darüber, wie sich Krankenhäuser verändern müssen – und was heute geplant werden muss, damit Gesundheitsversorgung auch morgen funktioniert.
Wie sieht das Krankenhaus der Zukunft aus? Diese Frage begleitet die Hospital Engineering Trends (HET) seit ihren Anfängen. Die Antworten darauf haben sich verändert. Standen zunächst Medizintechnik, Hygiene und technisch anspruchsvolle Krankenhausbereiche im Mittelpunkt, kamen über die Jahre Digitalisierung, Nachhaltigkeit, gesundheitsfördernde Architektur und neue Formen der Patientenversorgung hinzu.
Bei der zehnten Ausgabe der internationalen Fachkonferenz vom 14. bis 16. September 2026 ging es deshalb nicht nur um einzelne technische Innovationen. Unter dem Motto „Rückblick, Aufbruch, Zukunft gestalten“ richtete sich der Blick auf eine größere Frage: Wie müssen Krankenhäuser heute geplant und weiterentwickelt werden, damit sie auf medizinischen Fortschritt und eine sich verändernde Gesundheitsversorgung reagieren können?
Ein Krankenhaus ist mehr als ein Gebäude
Eine Antwort zog sich durch viele Beiträge der Konferenz: Wer ein Krankenhaus plant, muss weit über Mauern, Räume und technische Anlagen hinausdenken. Medizinische Abläufe, Wege von Patientinnen und Patienten, Arbeitsbedingungen des Personals, Hygiene, Energieversorgung und digitale Technologien greifen ineinander. Verändert sich ein Teil dieses Systems, hat das häufig Auswirkungen auf viele andere Bereiche.
Wie komplex das in der Praxis ist, zeigten Krankenhausprojekte aus Deutschland und der Schweiz, darunter die Medizinische Hochschule Hannover und das Kantonsspital Graubünden. Diskutiert wurde beispielsweise, wie Medizintechnik frühzeitig in die Gebäudeplanung einbezogen werden kann, welche besonderen Anforderungen Krankenhausapotheken und hochsensible Produktionsbereiche stellen und wie Digitalisierung, Standardisierung und Robotik Arbeitsabläufe verändern.
Damit wurde deutlich: Zukunftsfähige Krankenhäuser entstehen nicht durch eine einzelne Innovation. Sie entstehen dort, wo Architektur, Medizin, Technik und Organisation gemeinsam gedacht werden.
Wenn sich Medizin verändert, müssen sich Räume verändern
Wie unmittelbar diese Fragen die Gesundheitsversorgung in der Region betreffen, zeigte die Exkursion zum Klinikum St. Marien Amberg. Vorstand Manfred Wendl und Dr. med. Timo Schmidt, Ärztlicher Leiter des Ambulanten OP-Zentrums, stellten zwei unterschiedliche Wege vor, Krankenhausinfrastruktur für künftige Anforderungen weiterzuentwickeln.
Die Teilnehmenden besichtigten sowohl die Sanierung des bestehenden zentralen OP-Bereichs als auch den Neubau des Ambulanten OP-Zentrums. Damit standen zwei Herausforderungen nebeneinander, vor denen viele Krankenhäuser stehen: Wie lässt sich bestehende Infrastruktur modernisieren – und wie müssen neue Räume geplant werden, wenn sich medizinische Abläufe und Versorgungsformen verändern? Gerade das ambulante Operieren macht diesen Wandel sichtbar. Wenn Patientinnen und Patienten für bestimmte Eingriffe nicht mehr stationär aufgenommen werden, verändern sich Abläufe, Wege und Raumbedarfe. Gebäude müssen auf diese Veränderungen reagieren können.
Für die HET 2026 war die Exkursion deshalb mehr als ein Blick hinter die Kulissen. Was zuvor international diskutiert wurde, ließ sich in Amberg an zwei konkreten Projekten nachvollziehen: Das Krankenhaus der Zukunft entsteht nicht irgendwann, an vielen Stellen wird bereits heute daran gebaut.
Von „Krankenhaus 4.0“ zu neuen Fragen
Der Rückblick auf zehn Ausgaben zeigte zugleich, wie schnell sich die Herausforderungen verändert haben. 2018 stand etwa das „Krankenhaus 4.0“ im Mittelpunkt. Digitalisierung und technische Vernetzung galten als große Zukunftsthemen. Später kamen 5G und IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit und gesundheitsfördernde Architektur hinzu. Zugleich rückten die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten stärker in den Fokus.
In den vergangenen Jahren erweiterten Building Information Modeling (BIM), Lean Construction, Künstliche Intelligenz und ambulantes Operieren die Diskussion. 2026 ging es unter anderem um integrierte Planung, Vorfertigung, Digitalisierung, Automatisierung und Robotik. Hinter den wechselnden Technologien steckt jedoch eine beständige Herausforderung: Krankenhäuser werden für Jahrzehnte gebaut, während sich Medizin, Technik und Versorgungsformen deutlich schneller verändern.
Der Blick zurück machte deshalb auch deutlich, worauf es künftig ankommt: Technischer Fortschritt allein schafft noch kein zukunftsfähiges Krankenhaus. Entscheidend ist, ob Medizin, Architektur, Technik und Organisation so zusammenspielen, dass gute Versorgung auch unter veränderten Bedingungen möglich bleibt.
Wenn Forschung und Praxis voneinander lernen
Genau hier setzt die Idee der Hospital Engineering Trends an. Seit zehn Ausgaben bringt die Konferenz Menschen zusammen, die Krankenhäuser aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: aus Medizin und Forschung, Architektur und Planung, Technik, Projektmanagement und Unternehmenspraxis. Dabei geht es nicht nur darum, fertige Forschungsergebnisse zu präsentieren. Herausforderungen aus Kliniken und Unternehmen können neue Fragen für Forschung und Lehre aufwerfen. Umgekehrt können wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Technologien ihren Weg in Planung und Anwendung finden.
Wie eng diese Zusammenarbeit inzwischen geworden ist, zeigte sich bereits zum Auftakt der Jubiläumsausgabe bei der HT Group in Heideck. Die langjährige Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft mit der OTH Amberg-Weiden wird künftig auch stärker für die Lehre geöffnet: Die HT Group wurde als neuer Innovativer LernOrt der Hochschule ausgezeichnet. Damit schließt sich auch für die Jubiläumsausgabe ein Kreis: Die Hospital Engineering Trends entstanden aus dem Austausch zwischen Hochschule und Praxis. Zehn Ausgaben später ist daraus ein Netzwerk gewachsen, das nicht nur über das Krankenhaus der Zukunft diskutiert, sondern gemeinsam daran arbeitet.





