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Von Marke bis Mindset: Gründungswissen und Unternehmerinnenperspektiven in Kemnath

Sarah Segerer und Julia Mahr mit dem Team des Campus Kemnath
Sarah Segerer und Julia Mahr mit dem Team des Campus Kemnath

Mit der dritten GründerWerkstatt und dem anschließenden GründerinnenTALK stand im Juli ein ganzer Tag im Zeichen von Unternehmertum, Marketing und persönlicher Entwicklung. Veranstaltet wurden beide Formate vom Team des Campus Kemnath der OTH Amberg-Weiden in Kooperation mit dem Coworking Kemnath. Der GründerinnenTALK fand im Rahmen des Förderprogramms GründerinnenRISE statt.

Sarah Segerer und Julia Mahr mit dem Team des Campus Kemnath
Sarah Segerer und Julia Mahr mit dem Team des Campus Kemnath

Marketing ist mehr als Werbung

Zum Auftakt stellte Andrea Schild-Janker, operative Leitung des Campus Kemnath, die Unterstützungsangebote für Gründungsinteressierte sowie die Kemnather Gründungsnacht am 27. November 2026 vor.

Anschließend zeigten Sarah Segerer, Inhaberin der Marketingagentur sup.lab, und Julia Mahr, Gründerin von sabbalott. sowie Coach und Trainerin, dass erfolgreiches Marketing weit über Werbung oder Social Media hinausgeht. Im Fokus standen die Fragen, wie Marke, Kultur und Identität zusammenwirken und wie Gründende ihr Angebot authentisch und erfolgreich nach außen tragen können. Ein wichtiger Impuls von Segerer lautete dabei: „Kann ich mein Produkt kurz und knapp so beschreiben, dass es meine Zielgruppe versteht?“ Denn eine starke Marke entstehe durch Klarheit, Werte, Kontinuität und eine authentische Kommunikation.

Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden verschiedene Marketing- und Vertriebsstrategien, die Bedeutung geeigneter Kommunikationskanäle sowie den Aufbau eines funktionierenden Vertriebsprozesses. Neben digitalen Maßnahmen wurde auch die Bedeutung persönlicher Kontakte und regionaler Netzwerke hervorgehoben. Im Anschluss an den fachlichen Input konnten die Teilnehmenden ihre Interessenschwerpunkte auswählen. Themen wie Preisgestaltung, Markenfundament oder Vertragsgestaltung wurden gemeinsam priorisiert und anschließend im Plenum vertieft diskutiert. Durch den offenen Austausch entstanden zahlreiche praxisnahe Lösungsansätze und wertvolle Impulse für die eigene Gründung oder Unternehmensentwicklung.

Zum Abschluss stellte Alexander Krauss von der ISOB GmbH das Erasmus+-Projekt Health2Innovation vor, das Innovationen im Gesundheitssektor durch die Vernetzung von Bildung, Wirtschaft und Technik fördert.

Zwei Wege in die Selbstständigkeit

Am Abend gewährte der GründerinnenTALK persönliche Einblicke in den Unternehmerinnenalltag. Unter dem Titel „Zwei Unternehmerinnen – ein Zufall! Warum wir vieles unterschiedlich machen und genau deshalb zusammenarbeiten“ berichteten Segerer und Mahr von ihren ganz unterschiedlichen Wegen in die Selbstständigkeit.

Segerer wechselte nach einem abgebrochenen Studium in eine Werbeagentur, baute später das Marketing im Logistikunternehmen ihres Vaters auf und gründete schließlich ihre eigene Agentur. „Mein Herz schlägt mehr für Marketing als für Paletten“, beschreibt sie ihre Motivation.

Mahr war mehr als 20 Jahre in der Bankenwelt tätig, bevor sie sich 2020 mit sabbalott. selbstständig machte und feststellte, dass sich der Schritt schneller auszahlte als erwartet: „Bereits im ersten Jahr war ich im positiven Bereich.“

Persönlich wachsen und gemeinsam erfolgreich sein

Im Gespräch wurde deutlich, dass Selbstständigkeit nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Mut, Selbstreflexion, Weiterentwicklung und ein starkes Netzwerk erfordert. Außerdem verläuft unternehmerischer Erfolg selten geradlinig. Vor allem Ruhephasen können schwer auszuhalten sein, meint Segerer. Sie berichtete offen über die Herausforderungen von Wachstum und Verantwortung. Unterstützung finde sie durch einen Business-Coach: „Eine neutrale Person zu haben, die da einen Blick drauf wirft, ist sehr wertvoll.“

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war das Thema persönliche Entwicklung. Beide Referentinnen machten deutlich, wie sehr die Selbstständigkeit die eigene Persönlichkeit verändert. Segerer berichtete, dass sie sich heute deutlich mehr zutraue als noch vor einigen Jahren. Neben Marketing gehören heute auch Personalführung, Buchhaltung und Unternehmensentwicklung zu ihrem Alltag. Zugleich sei ihr Anspruch bis heute derselbe geblieben: „Unsere Kundschaft soll sich immer gut aufgehoben fühlen und wissen, dass wir mit vollem Einsatz dabei sind.“

Mahr sprach darüber, eigene Grenzen wahrzunehmen und auch mal Nein zu sagen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit habe sie alles angenommen, was kam. Mit drei Kindern, Hausbau und dem Aufbau eines Unternehmens sei ihr schnell klar geworden: „Geh langsam, wenn du es eilig hast und konzentriere dich darauf, was deine Stärken sind.“

Besonders spannend war die Frage, warum die Zusammenarbeit der beiden Unternehmerinnen so gut funktioniert. Während Segerer Unternehmen dabei unterstützt, ihre Marke sichtbar zu machen und nach außen zu kommunizieren, beschäftigt sich Mahr mit den Strukturen, Werten und der Unternehmenskultur hinter den Kulissen. Gemeinsam arbeiten sie an der Verbindung von Marke, Persönlichkeit und Identität. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, ob das, was ein Unternehmen nach außen zeigt, tatsächlich dem entspricht, wofür es im Inneren steht.

Im Anschluss an den Impuls nutzten die Teilnehmerinnen die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung. In offenen Gesprächen wurden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen diskutiert und neue Kontakte geknüpft. Die lebhafte Atmosphäre zeigte eindrucksvoll, wie groß das Interesse an ehrlichen Einblicken in das Leben von Unternehmerinnen ist. Besonders eine Botschaft des Abends dürfte vielen Teilnehmerinnen in Erinnerung geblieben sein: Aus schwierigen Phasen entstehen oft die größten Entwicklungsschritte und genau darin liegt ein wesentlicher Teil unternehmerischen Erfolgs.

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