Walzen, Workflows und Weltmarktführer: Studierende zu Gast bei HAMM
Wie laufen moderne Produktions- und Geschäftsprozesse in einem weltweit erfolgreichen Industrieunternehmen ab? Dieser Frage gingen Studierende des Masterstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen der OTH Amberg-Weiden bei einer Exkursion zur HAMM AG nach Tirschenreuth nach.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des Moduls „Integrierte Auftragsabwicklung“ unterstützt durch den Laborverbund SAPbased Smart Factory unter Leitung von Dozent M.A. Christoph Hammer unterstützt von M.Sc. Nico Humig statt.
Weltmarktführer aus der Oberpfalz
Die HAMM AG ist Teil der Wirtgen Group, eines international führenden Unternehmensverbunds für Straßenbaumaschinen. Seit 2017 gehört die Wirtgen Group zum US-amerikanischen Traditionskonzern Deere & Company, vielen vor allem unter der Marke John Deere bekannt. Trotz der internationalen Konzernstruktur bleibt die HAMM AG mit ihrem Standort in Tirschenreuth regional verwurzelt und gilt heute als Weltmarktführer im Bereich von Walzen und Verdichtungsmaschinen.
Vor Ort wurden die Studierenden von mehreren Unternehmensvertretern empfangen, darunter Harald Prölß, Leiter Informationsmanagement bei der HAMM AG, sowie Matthias Li aus dem Bereich Anwendungsbetreuung SAP-Vertrieb/Variantenkonfiguration und Manuel Melchner Anwendungsbetreuung SAP PDM/PLM. Auch Vorstand Dr. Stefan Klumpp ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe kurz persönlich zu begrüßen – ein Beispiel für die kurzen Wege und die direkte Unternehmenskultur des international erfolgreichen Mittelständlers.
Zu Beginn der Exkursion erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die Jahrzehnte lange Geschichte und Produktwelt der HAMM AG. Das Unternehmen entwickelt und produziert Walzen und Verdichtungsmaschinen für den Straßen- und Erdbau und behauptet sich als Weltmarktführer in einem stark umkämpften internationalen Markt mit rund 60 Wettbewerbern. Entscheidend für den langfristigen Erfolg seien insbesondere der hohe Qualitätsanspruch sowie der Fokus auf technologische Innovationen.
Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Ein Schwerpunkt des Besuchs lag auf dem Aufbau und den Aufgaben des IT-Bereichs. Die HAMM AG betreut von Tirschenreuth aus zentrale SAP-ERP-Prozesse für die gesamte Wirtgen Group. Dabei werden nahezu alle Unternehmensabläufe digital abgebildet, von der Absatzplanung über das Lieferantenmanagement bis hin zu Produktion und Versand.
Die Unternehmensvertreter zeigten anschaulich, wie über viele Jahre umfangreiche Datenbestände im SAP-System entstanden sind. Diese Daten ermöglichen heute fachbereichsübergreifende Auswertungen mit historischen und aktuellen Informationen und bilden damit eine wichtige Grundlage für fundierte Entscheidungen in Produktion, Vertrieb und Management.
Gerade für die Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens wurde deutlich, wie eng betriebswirtschaftliche Prozesse, Produktionsabläufe und moderne IT-Systeme miteinander verzahnt sind.
Produktion hautnah erleben
Ein besonderes Highlight war die anschließende Werksführung. Entlang des Informationsflusses, und damit entgegen dem eigentlichen Materialfluss, verfolgten die Studierenden live die einzelnen Stationen der Wertschöpfungskette: von der fertigen Straßenwalze bis hin zur Bearbeitung der sogenannten Bandagen, also jener Walzenflächen, die später direkten Kontakt mit dem Straßenuntergrund haben.
Dabei wurde deutlich, wie wichtig tiefes Prozessverständnis innerhalb der IT-Abteilungen geworden ist. Nur wenn digitale Prozesse und reale Produktionsabläufe exakt aufeinander abgestimmt sind, können stabile und effiziente Systeme entstehen.
SAP-gestützter Vertrieb live demonstriert
Besonders praxisnah wurde es bei der Demonstration des SAP-gestützten Vertriebsprozesses. Die Studierenden konnten nachvollziehen, wie mithilfe eines weltweit eingesetzten digitalen Konfigurators individuelle Maschinen konfiguriert werden, unter Berücksichtigung nationaler Emissionsvorgaben und Dokumentationspflichten.
Anschließend wurde gezeigt, wie aus einem Angebot direkt ein reservierter Produktionsslot entsteht und wie sämtliche Produktkonfigurationen automatisch übernommen werden. Viele der dabei genutzten SAP-Transaktionen kannten die Studierenden bereits aus der Vorlesung, etwa aus den Bereichen Stücklistenverwaltung, Kundenaufträge oder Fertigungsaufträge. Dadurch entstand eine direkte Verbindung zwischen Theorie und industrieller Praxis.
Gelebte Partnerschaft zwischen Hochschule und Unternehmen
Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll die langjährige Partnerschaft zwischen der OTH Amberg-Weiden und der HAMM AG ist. Als Mitglied im PartnerCircle der Hochschule unterstützt die HAMM AG seit Jahren den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Für die Studierenden bot der Besuch nicht nur spannende Einblicke in moderne Industrie- und IT-Prozesse, sondern auch die Gelegenheit, ein international erfolgreiches Unternehmen aus der Region kennenzulernen. Gleichzeitig wurde deutlich, welche vielfältigen beruflichen Perspektiven sich an der Schnittstelle von Technik, Wirtschaft und Digitalisierung eröffnen. Ein besonderes Highlight war für viele die Möglichkeit, kurz selbst am Steuer einer Straßenwalze Platz zu nehmen.


