Cybersecurity zwischen Forschung und Praxis
Organisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation zwischen der Wirtschaftsförderung Amberg, der IHK-Geschäftsstelle Amberg-Sulzbach und der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik der OTH Amberg-Weiden. Alexander Seitz von der Wirtschaftsförderung Amberg und Prof. Dr. Ulrich Schäfer, Dekan der Fakultät, begrüßten die 65 Gäste und führten gemeinsam durch das Programm.
Von gesetzlichen Vorgaben bis zur Cyberkriminalität vor Ort
Den fachlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Christian Roth mit einem Vortrag zum Cyber Resilience Act. Er erläuterte, welche Anforderungen die europäische Verordnung an Hersteller digitaler Produkte stellt und welche Pflichten zur Dokumentation, Offenlegung und Meldung von Sicherheitslücken damit verbunden sind.
Anschließend zeigte Kriminalhauptkommissar Patrick Preiß, wie sich Cyberkriminalität verändert und welche Auswirkungen neue Bedrohungen auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Anhand konkreter Fälle aus seinem Berufsalltag, darunter auch Beispiele aus der Region, verdeutlichte er, dass Cyberangriffe keine abstrakte Gefahr sind, sondern längst zum Alltag der Ermittlungsbehörden gehören.
Wenn das eigene Gesicht und die eigene Stimme zur Täuschung werden
Wie einfach sich mithilfe Künstlicher Intelligenz digitale Identitäten manipulieren lassen, demonstrierte David Trott von der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik. In einer Live-Vorführung wurden die Gesichter von Besuchern in einen fingierten Videoanruf eingebunden und mithilfe von Deepfake-Technologie in Echtzeit ausgetauscht.
Auch die Stimmen der Gäste wurden zum Gegenstand der Demonstration: Innerhalb weniger Sekunden analysierte eine KI die Stimmen der Besucher und imitierte sie. Dies zeigte eindrucksvoll, welches Missbrauchspotenzial in modernen Sprachmodellen steckt. Die Vorführung machte anschaulich, wie sich bekannte Betrugsmaschen wie der Enkeltrick durch täuschend echte Stimmen und Videobilder zu einem „Enkeltrick 2.0“ weiterentwickeln können.
Live-Hacking: Wenn manipulierte Daten zur Gefahr werden

Dass Cyberangriffe nicht nur digitale Daten, sondern auch reale Anlagen und Menschen gefährden können, zeigte Maximilian Wilke vom Unternehmen BxC. Am Beispiel einer Methanolproduktionsanlage demonstrierte er live, wie Angreifer durch die Manipulation von Sensorwerten in industrielle Prozesse eingreifen können.
Die Vorführung verdeutlichte, welche weitreichenden Folgen vermeintlich kleine Eingriffe in digitale Steuerungssysteme haben können. Werden sicherheitsrelevante Messwerte gezielt verfälscht, können daraus erhebliche Risiken für den Anlagenbetrieb und die beteiligten Menschen entstehen.
Digitale Sicherheit gemeinsam stärken
Die Open Innovation Night verband wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Polizeiarbeit und anschaulichen technischen Demonstrationen. Die 65 Gäste erhielten damit nicht nur Einblicke in aktuelle Angriffsmethoden, sondern auch ein besseres Verständnis dafür, warum digitale Sicherheit Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen gleichermaßen fordert.
Die Veranstaltung zeigte zugleich den Wert des Austauschs zwischen Hochschule, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden. Denn um den zunehmend komplexen Bedrohungen zu begegnen, braucht es neben technischen Schutzmaßnahmen vor allem Wissen, Aufmerksamkeit und ein gemeinsames Bewusstsein für digitale Risiken.










