Interaktive Medienstationen der Fakultät EMI bereichern Prechtl-Sonderausstellung

Die Sonderausstellung „Köpfe. Zeiten. Geschichte(n). Michael Mathias Prechtl zum 100. Geburtstag“ ist seit dem 26. April 2026 im Stadtmuseum Amberg zu sehen und läuft noch bis zum 10. Januar 2027. Neben zahlreichen Werken des in Amberg geborenen Künstlers Michael Mathias Prechtl laden auch mehrere Medien- und Mitmachstationen dazu ein, sein Werk aus neuen Blickwinkeln zu entdecken.

Zwei dieser interaktiven Stationen entstanden in Zusammenarbeit mit der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik (EMI) der OTH Amberg-Weiden. Sie zeigen, wie moderne Medientechnik, Gestaltung, Programmierung, Physical Computing und Künstliche Intelligenz dazu beitragen können, Kunst auf spielerische und informative Weise erfahrbar zu machen.

Prechtls Werk interaktiv erkunden

Eine der Stationen wurde im Rahmen des Fachs Applikations-Design im Masterstudiengang Medientechnik und Medienproduktion unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Meiller entwickelt. Mehrere Studierendengruppen setzten dabei unterschiedliche Bereiche einer interaktiven Anwendung um, die sich mit dem Werk Prechtls beschäftigt.

Besucherinnen und Besucher können einzelne Bilder genauer erkunden, indem sie bestimmte Bildbereiche antippen und zusätzliche Informationen abrufen. Ergänzend gibt es ein Lexikon sowie einen kreativen Bereich, in dem aus Bildelementen Prechtls eigene neue Bildkompositionen entstehen können.

Ein besonderer Zugang führt im wahrsten Sinne des Wortes in Prechtls Gedankenwelt: Mit einer Figur lassen sich verschiedene Bereiche in einem digital gestalteten Kopf erkunden. Die App wurde von den Studierenden selbst in Flutter programmiert und ist sowohl auf einem großen Touchscreen als auch auf Tablets und dem eigenen Handy nutzbar. Da für viele Inhalte keine geeigneten digitalen Vorlagen verfügbar waren, wurden Bilder und Grafiken von den Studierenden selbst digitalisiert und aufbereitet.

KI-Fake oder Original-Prechtl?

Die zweite Medienstation trägt den Titel „KI-Fake oder Original-Prechtl“ und entstand im Modul Physical Computing unter der Leitung von Prof. Martin Frey. Im Zentrum steht ein spielerisches Ratespiel: Zwölf Charaktere, darunter Personen und Tiere aus Prechtls Werken, wurden mithilfe von KI aus bestehenden Illustrationen extrahiert.

Diese Figuren befinden sich auf eigens gestalteten, 3D-gedruckten Büchern, die von den Besucherinnen und Besuchern auf die Station gelegt werden können. Werden zwei Bücher kombiniert, erscheinen die entsprechenden Charaktere auf einem Bildschirm und begegnen sich in einer individuell generierten Animation. Anschließend stellt sich die zentrale Frage: Handelt es sich bei der entstandenen Bildkomposition um ein originales Werk Prechtls oder um eine durch KI erzeugte Fälschung?

Die Entscheidung wird über einen mittig angeordneten Hebel getroffen. Danach zeigt die Station die Auflösung und liefert zusätzliche Hintergrundinformationen zu den Motiven und Bildinhalten.

Technik, die sich bewusst zurücknimmt

Auch technisch ist das Exponat außergewöhnlich: Die Buchcover werden durch LED-Displays in den Ausleseschalen unter den aufgelegten Büchern illuminiert. Speziell entwickelte, mit transparentem Filament 3D-gedruckte Lichtleiter führen das Licht der einzelnen Pixel nach oben an die plastische Oberfläche der Buchcover. Dadurch entsteht der Eindruck, als würden die reliefartigen Figuren auf den Buchdeckeln selbst zu leuchten beginnen.

Für die zahlreichen möglichen Kombinationen wurden insgesamt 420 Animationen auf dem OTH-eigenen KI-Server generiert und über eine komplexe Elektronik- und Softwarelösung mit der physischen Station verbunden. Trotz dieser technischen Komplexität bleibt die Bedienung bewusst einfach, intuitiv und ästhetisch zurückhaltend.

Neue Zugänge zu Kunst und Technik

Die beiden Exponate zeigen, wie an der Fakultät EMI technische Entwicklung, kreative Gestaltung und mediale Vermittlung zusammenspielen. Gleichzeitig eröffnen sie Besucherinnen und Besuchern neue Zugänge zu Prechtls Werk: Sie laden zum genauen Hinsehen, Ausprobieren und Mitdenken ein und ergänzen die Sonderausstellung im Stadtmuseum Amberg um eine zeitgemäße interaktive Ebene.