MIND: Bessere Managemententscheidungen durch praxisnahes Lernen im bayerisch-tschechischen Grenzraum


Wie lassen sich gute Managemententscheidungen treffen, wenn Informationen fehlen, die Zeit drängt oder unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen? Das deutsch-tschechische Interreg-Projekt MIND (Managementintelligenz für die Entscheidungsfindung) entwickelt ein praxisnahes Lehr- und Lernkonzept, das Studierende gezielt auf solche Situationen vorbereitet. Reale Entscheidungsfälle aus 20 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Bayern und Tschechien werden dafür wissenschaftlich analysiert und in strukturierte Entscheidungsrahmen sowie realitätsnahe Virtual-Reality-Szenarien übertragen.
MIND verbindet damit Managementbildung, Wirtschaftspsychologie und digitale Lehre mit konkreten Herausforderungen aus der Unternehmenspraxis. Das Projekt stärkt die Entscheidungskompetenz zukünftiger Fach- und Führungskräfte, fördert den Austausch zwischen Hochschulen und regionalen Unternehmen und trägt zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im bayerisch-tschechischen Raum bei.
Projektsteckbrief: MIND im Überblick
| Projekttitel | Managementintelligenz für die Entscheidungsfindung (MIND) |
| Fördergeber: | Interreg Bayern Tschechien (kofinanziert von der Europäischen Union) |
| Projektlaufzeit: | 01.07.2026 – 30.07.2029 |
| Beteiligte Forschungseinrichtungen: | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH AW)
Südböhmische Universität in České Budějovice (JČU)
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| Projektziel | MIND bereitet Studierende auf komplexe Management- und Entscheidungssituationen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor. Im neu entwickelten Kurs „Managerial Decision Making“ arbeiten sie mit realen Fällen aus 20 KMU in Bayern und Tschechien und lernen, auch unter Unsicherheit und Zeitdruck fundierte Entscheidungen zu treffen. Ausgewählte Unternehmensfälle werden in Virtual Reality Reconstructed Narrative Scenarios (VRRNS) übertragen und für die praxisnahe Lehre aufbereitet. Über fünf Semester sollen insgesamt 200 Studierende die entwickelten Lehr- und Lernangebote nutzen. So stärkt MIND Managementkompetenzen und die grenzüberschreitende Hochschulbildung im bayerisch-tschechischen Raum. |
Gesellschaftlicher Mehrwert
Managementkompetenzen, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Austausch zwischen Hochschulen und Unternehmen
Wie führe ich ein Team durch eine Krise? Wie entscheide ich, wenn wichtige Informationen fehlen? Und wie gehe ich mit Zeitdruck oder widersprüchlichen Interessen um? MIND bereitet Studierende gezielt auf solche Situationen im Berufsleben vor.
Sie trainieren Kompetenzen, die im mittleren und operativen Management besonders gefragt sind: strukturiertes Entscheiden, kritisches Denken, Kommunikation, Mitarbeiterführung und Krisenmanagement. Authentische Fälle aus regionalen KMU geben ihnen Einblick in betriebliche Herausforderungen und stärken ihre Kompetenzen für den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt.
MIND stärkt die Zusammenarbeit zwischen der OTH Amberg-Weiden und der Südböhmischen Universität in den Bereichen Managementbildung, Entscheidungsfindung und digitale Lehre. Gemeinsame Lehrveranstaltungen, Workshops und gemischte Studierendenteams bringen Teilnehmende aus Bayern und Tschechien zusammen. So lernen sie nicht nur miteinander, sondern auch voneinander – über fachliche, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.
20 KMU aus Bayern und Tschechien bringen reale Management- und Entscheidungssituationen aus Produktion, Technologie und Dienstleistungen in MIND ein. Das Projektteam analysiert diese Fälle wissenschaftlich und bereitet sie als praxisnahe Lehr- und Lernmaterialien auf. Studierende wenden Entscheidungsmodelle auf konkrete Herausforderungen an und übertragen ausgewählte Situationen in realitätsnahe VR-Szenarien.
So entsteht ein Austausch zwischen Hochschulen und Unternehmen: Aktuelle Herausforderungen aus der betrieblichen Praxis fließen in Forschung und Lehre ein. Gleichzeitig trägt MIND dazu bei, zukünftige Fach- und Führungskräfte gezielt auf komplexe Managementsituationen in regionalen Unternehmen vorzubereiten.
MIND entwickelt wiederverwendbare Virtual Reality Reconstructed Narrative Scenarios, Entscheidungsrahmen und begleitende Lehrmaterialien. Diese werden zunächst in die Hochschullehre integriert und können nach Projektende auch in weiteren Lehrveranstaltungen, Studiengängen und Weiterbildungsangeboten eingesetzt werden. Dabei sind die Inhalte nicht an eine VR-Ausstattung gebunden: Die entwickelten Entscheidungssituationen und Lernmaterialien lassen sich auch ohne Virtual-Reality-Technologie nutzen. Dadurch können die Projektergebnisse langfristig und in unterschiedlichen Lernumgebungen eingesetzt werden.
Wissenschaftlicher Kontext
Managementwissenschaften, Wirtschaftspsychologie, Organisationsverhalten und digitale Bildung
MIND verbindet Forschung zu Managemententscheidungen, Organisationsverhalten, Wirtschaftspsychologie und Managementbildung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen in komplexen betrieblichen Situationen Entscheidungen treffen – beispielsweise bei Mitarbeiter- und Teamführung, organisationalen Veränderungen oder betrieblichen und personalbezogenen Krisen. Besonders relevant sind Situationen, in denen Führungskräfte unter Unsicherheit oder Zeitdruck handeln müssen. Das Projekt untersucht deshalb auch den Einfluss von kognitiven Verzerrungen, begrenzten Informationen und unterschiedlichen organisationalen und kulturellen Rahmenbedingungen auf Managemententscheidungen.
MIND entwickelt einen simulationsbasierten Bildungsansatz, der authentische betriebliche Entscheidungssituationen in Virtual Reality Reconstructed Narrative Scenarios (VRRNS) überträgt. Studierende können sich dadurch aktiv mit komplexen Managementsituationen auseinandersetzen, verschiedene Handlungsoptionen vergleichen und mögliche Folgen ihrer Entscheidungen reflektieren. Der Ansatz verbindet erfahrungsbasiertes Lernen und Storytelling mit Virtual Reality, wissenschaftlicher Analyse und angeleiteter Reflexion. Die Technologie dient dabei nicht als Selbstzweck: Entscheidend ist, komplexe Entscheidungssituationen nachvollziehbar und erfahrbar zu machen.
MIND verbindet die Entwicklung neuer Lehrformate mit qualitativer und quantitativer Forschung. Das Projektteam erhebt zunächst authentische Entscheidungssituationen durch Interviews mit regionalen KMU und analysiert diese systematisch. Die Ergebnisse fließen anschließend in Entscheidungsrahmen, Lehrmaterialien und VR-Szenarien ein. Gleichzeitig untersucht die Begleitforschung die Erfahrungen und Ergebnisse des neuen Lehransatzes. Die gewonnenen empirischen Erkenntnisse bilden die Grundlage für wissenschaftliche Publikationen und leisten einen Beitrag zur Forschung über Managemententscheidungen, erfahrungsbasiertes Lernen, Virtual-Reality-gestützte Bildung und interkulturelles Management.
Wie Menschen führen, zusammenarbeiten und Entscheidungen treffen, hängt auch von organisationalen, institutionellen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. Kommunikationsstile, Erwartungen am Arbeitsplatz und der Umgang mit komplexen Entscheidungssituationen können sich in Bayern und Tschechien unterscheiden.
MIND bringt deshalb Perspektiven aus beiden Ländern systematisch zusammen. Unternehmensfälle, gemeinsame Workshops und gemischte Studierendenteams machen Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar und ermöglichen es, Managemententscheidungen im grenzüberschreitenden Kontext zu untersuchen und zu reflektieren. Zugleich lernen Studierende, Entscheidungen auch in interkulturellen Arbeitssituationen fundiert einzuordnen.
Ihre Ansprechpersonen an der OTH AW
Projektmanagement
Prof. Dr. Gabriele Murry, M.B.A. (USA), M.H.R. (USA)
Projektkoordination
Anisha Mahinoor Ferdous, B.Eng.