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Digitale Weiterbildung in der Praxis

| Blog

Die aktuelle Situation hat in vielen Bereichen zu großen Veränderungen geführt. So auch bei den Weiterbildungsangeboten der OTH Amberg-Weiden. Während vorher ein Großteil der berufsbegleitenden Studiengänge in Präsenzveranstaltungen stattfanden, hieß es nun: 100 Prozent umstellen auf digitale Lehre.

Lena Wiesmeth, 27 Jahre alt aus Kümmersbruck, studiert berufsbegleitend Steuerrecht und Steuerlehre (LL.M) bei OTH Professional neben ihrer Arbeit als Steuerassistentin in einer Amberger Steuerkanzlei. Sie erzählt in einem Interview mit OTH mind, welchen Einfluss digitale Lehre und die aktuelle Corona-Situation auf ihren Alltag haben. Für sie ist die Krise nicht nur eine Herausforderung, sondern in vielerlei Hinsicht auch eine Chance.

Wie kam es dazu, dass Sie einen Weiterbildungs-Master an der OTH Amberg-Weiden machen?

Ich habe 2015 mein Bachelor Studium „Betriebswirtschaft“ in Weiden begonnen und im Sommer 2018 abgeschlossen. Aufgrund meiner Ausbildung zur Finanzwirtin habe ich meinen Schwerpunkt im Bachelor Studium auch auf das Thema Steuern gesetzt und deshalb auch jede Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Dommermuth besucht. Er informierte uns dort regelmäßig über den neuen Weiterbildungs-Master „Steuerrecht und Steuerlehre“, den er zusammen mit dem Institut Dr. Bannas in Weiden etablieren wollte. Nach dem Besuch der Info-Veranstaltung bei Frau Märtin von OTH Professional war ich mir dann zu hundert Prozent sicher, dass ich den Master beginnen will.

 

Wie hat sich Ihr Alltag durch die Corona-Situation verändert?

Mein Alltag hat sich durch Corona nur minimal verändert. Das Arbeitspensum in der Steuerkanzlei nahm tendenziell durch die Krise zu. Worüber ich natürlich sehr froh bin, es hätte mich auch anders treffen können. Ins Home Office wurden wir von unseren Chefs nicht geschickt. Also auch diesbezüglich hat sich bei mir nicht viel verändert.

Nach der Arbeit beziehungsweise in den restlichen Tagen der Woche habe ich zu Beginn der Krise (damals waren noch Semesterferien) für meine Masterarbeit recherchiert und mich bereits mit den Hausarbeiten für das Studium beschäftigt.

 

Wie haben Sie die Corona-Krise mit ihren neuen Regeln und Anforderungen in dieser Zeit wahrgenommen?

Die Krise sah ich in dem Moment eher als Chance. Dadurch, dass soziale Kontakte auf ein absolutes Minimum reduziert werden mussten und sämtliche Feste und Feiern abgesagt wurden, konnte ich mich besser auf das Wesentliche konzentrieren und ich hatte keine „Ausrede“ zum Prokrastinieren. Als das Semester wieder begann, starteten auch wir natürlich an drei Tagen in der Woche mit der digitalen Vorlesung.

 

Und wie hat sich nun die Weiterbildung in diesem Semester verändert?

Vor der Corona-Krise fand diese im kleinen Vorlesungssaal statt, nun sitzt jeder vor seinem PC zuhause, hört dem Dozenten oder der Dozentin zu und stellt gegebenenfalls über Mikrofon Rückfragen.

 

Wie fanden Sie diese „neue“ Lehre? Kam es zu Problemen?

Aufgrund der Tatsache, dass unser Studiengang nur aus acht Student*innen besteht, stellt die digitale Vorlesung für uns grundsätzlich keinen Nachteil dar. Ganz im Gegenteil, viele von uns sehen die Vorteile, sparen sich die lange Anreise und die Übernachtungskosten und können die neu gewonnene Zeit für andere wichtige Aufgaben im Studium nutzen. Natürlich fehlt einem ab und zu der persönliche Austausch mit den Kommiliton*innen, aber in Zeiten von WhatsApp stellt dies auch kein großes Problem mehr dar. Mit einer Kommilitonin habe ich beispielsweise mehrmals die Woche telefoniert, um uns auf diese Weise gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.

Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es für die einen oder anderen Student*innen beziehungsweise Dozent*innen etwas unangenehmer ist als vor der Krise, da der persönliche Dialog natürlich fehlt und die Mikrofonfunktion den persönlichen Austausch nicht zu hundert Prozent ersetzen kann. Und ob einem die digitale Vorlesung als Student*in oder auch Dozent*in zusagt, ist natürlich auch Typsache. Dennoch bin ich der Meinung, dass insbesondere in unserer kleinen Gruppe der Großteil die digitale Vorlesung befürwortet.

Ein größeres Problem sehe ich möglicherweise bei Studiengängen mit mehreren 100 Student*innen. Da fehlt es leider in Deutschland auch noch an der flächendeckenden Breitband-Versorgung. Auch ich hatte an mindestens einem Vorlesungstag Probleme mit der Internetverbindung. Bezüglich der Infrastruktur, vor allem in den ländlichen Gegenden, gibt es also noch einiges zu tun.

 

Welche Vorteile und Chancen sehen Sie nun in der digitalen Lehre?

Ein Vorteil kann darin bestehen, dass die Vorlesungen gegebenenfalls aufgezeichnet werden und die Studenten*innen somit die Möglichkeit bekommen, die Vorlesungen mehrmals anzuschauen um eventuell schwierigere Themen zu wiederholen oder in der Prüfungsphase zu vertiefen.

Auch für die Dozent*innen und Professor*innen kann diese Zwangspause der Präsenzveranstaltungen eine große Chance darstellen. Vielleicht ist das ein oder andere Skript doch etwas veraltet und wird aufgrund der Digitalisierung noch einmal überarbeitet. Wer weiß, vielleicht arbeitet nach Corona auch der letzte Professor*in nicht mehr mit dem Overhead Projektor?

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