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Das Oberpfälzer Netz

| Blog

Sagt man etwas läuft gut, kann man häufig nicht ein bestimmtes Kriterium benennen, dank dem es gut läuft. Es sind meist mehrere Aspekte, die zusammenspielen, sich zu einem Netz verflechten und in gegenseitiger Wechselwirkung schließlich zum Erfolg führen. Ein Effekt bedingt den nächsten, knüpft eine Verbindung zu einem weiteren Element und eröffnet so neue Wege, die wieder zum nächsten Knotenpunkt an Möglichkeiten führen. Dieses Bild vor Augen möchte ich nachvollziehen, warum die Hochschulregion mit den Städten Amberg und Weiden samt Landkreisen Amberg-Sulzbach und Neustadt a.d. Waldnaab drum herum ein ebensolches Erfolgsmodell ist. Ich setze mich zu Beginn an einem Punkt in diesem Netzwerk und drösele von dort aus das Modell auf. Mein Ausgangspunkt sind – wie sollte es anders sein – die Studierenden der OTH.

Sie kommen zum Studieren nach Weiden und Amberg. Was sie überzeugt sind möglicherweise die renommierten und einzigartigen Studiengänge, das Studieren in kleinen Gruppen und mit persönlichem Kontakt oder die niedrigen Mieten. Vielleicht sind es auch die unzähligen Möglichkeiten mit Kommilitonen abends ein gutes Bier zu trinken – immerhin galt Amberg jahrhundertelang als europäische Stadt mit den meisten Brauereien und der Zoigl rund um den Campus Weiden gehört zur regionalen Tradition. Was auch immer die Gründe der Student*innen sein mögen – sie kommen und sie genießen ihr Studierendenleben.

Geld da lassen

Sie gehen in Bars, Clubs und Restaurants. Unternehmen gemeinsam eine Shopping Tour im neuen Nordoberpfalz Centrum oder machen einen Ausflug ins Umland. Möglichkeiten gibt es dafür unzählige: Radwege entlang der Flüsse, Wanderwege durch Naturparks, Seen zum Schwimmen und Boot fahren, Skipisten in den nächsten Bergen. Damit unterstützen die Studierenden die Region, bringen Geld in die Geschäfte, Gasthäuser und andere Dienstleitungsunternehmen. Natürlich sind dafür nicht alleine die Student*innen verantwortlich, sondern auch die anderen Bewohner*innen der Oberpfalz, aber einer der Einflussfaktoren der hiesigen, florierenden Kultur- und Freizeitlandschaft sind eben auch die Student*innen.

Geld verdienen

Und damit diese ihr Geld ausgeben können, müssen sie es auch irgendwo verdienen. Zunächst als Werkstudent*in und Praktikant*in, dann als Arbeitnehmer*in, Selbstständige oder sogar Jungunternehmer*in. Die Region war schon immer ein fruchtbarer Boden für neue Geschäftsideen. Die Firma Witt hat von hier aus einen Weltkonzern für Mode 50 plus aufgebaut, ebenso die Pilkington AG für Flachglas. Auto-Teile-Unger (A.T.U.) hat seinen Ursprung in Weiden, ebenso wie die Porzellanimperien Seltmann und Bauscher. In Altenstadt wurde das Fotobuch geboren, in Amberg gibt es Deprag und Grammer, aus Hirschau stammt Conrad Elektronik. Außerdem kommen große Konzerne in die nördliche Oberpfalz, um dort einen Standort zu eröffnen: etwa die Siemens AG in Amberg und Kemnath.

Nicht-Monetäres liefern

Und in Amberg wurde auch Mensch-ärgere-dich-nicht erfunden. Gut, das ist mehr ein Funfact, als überzeugendes Argument, aber es zeugt vom Erfindergeist der Oberpfälzer*innen – einer Innovationskraft, die die Region immer weiter vorantreibt und auch aus Krisen und durch schwere Zeiten hilft. Darauf können die Amberger*innen und Weidner*innen ebenso stolz sein, wie auf ihre Kultur und Tradition – nicht nur beim Bierbrauen. Weiden ist Heimatstadt des Komponisten Max Reger, Veranstalter von Literaturtagen und anderen kulturellen Ereignissen. Amberg verwandelt zum Altstadtfest die gesamte Innenstadt in eine einzige große Bühne, feiert eine Woche lang auf dem Marie-Hilfberg und zwei Mal zwei Wochen im Jahr auf der Dult. Wieder ein paar Gründe mehr für die Studierenden zu kommen, dort Geld auszugeben, zu verdienen, die Wirtschaft anzukurbeln, neue Ideen zu entwickeln, Unternehmen aufzubauen, die Gegend, die Kultur und die Tradition zu unterstützen, neue Student*innen zu gewinnen – wie man sieht, ein Netz, bei dem man in alle Richtung und im Kreis zurück zum Ausgangspunkt laufen kann, wie man will.

Apropos zurück zum Ausgangspunkt: die Studierenden. Sie sind ein Faktor von vielen, der Weiden, Amberg und die Umgebung zu einem lebens- und liebenswerten Ort machen. Vielleicht kann man es so sagen: die Studierenden sind in diesem Zusammenspiel an Möglichkeiten der Jungbrunnen, der die Region immer wieder am Puls der Zeit hält, von Altbewährtem profitiert und neue Kraft liefert. Damit sind sie fest verwoben in das Erfolgsmodell der Hochschule und der ganzen Region.

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